Becher mit gemischtem Obst Diese Becher mit gemischtem Obst sind am Dienstag an der Grundschule Crossen angeliefert worden. Ein Großteil davon landet dort statt im Kindermund im Müll. Andere Grundschulen beklagen ebenfalls das Müllproblem, das auch durch die Plastik-Verpackung entsteht.

Foto: Ralph Köhler

Stadt Zwickau will Obstfrühstück für Schüler abschaffen

Kinder würden mit Früchten nur spielen - Kindergärten sollen weiterhin beliefert werden

Zwickau. Seit August 2011 bekommen die rund 2500 Grund- und Förderschüler Zwickaus ein Obstfrühstück von der Stadt spendiert. Einmal wöchentlich werden die mundgerecht portionierten Früchte, abgepackt in Plastikbechern, an die Schulen geliefert. Rund 235.000 Euro hat sich die Stadt die Vitaminkur bisher kosten lassen. Damit soll Ende des Schuljahres Schluss sein. "Die Schüler machen von den Angeboten keinen Gebrauch und zum Teil werden die Obstschalen oder Früchte in den Müll geworfen oder als Spielobjekte verwendet", heißt es in dem Beschlussvorschlag, über den der Stadtrat in seiner Sitzung am Donnerstag abstimmt. Stattdessen wird von dem Geld ab nächstem Schuljahr wie zuvor das Mittagessen für sozial benachteiligte Kinder bezuschusst.

"Das ist sehr schade, denn die Idee war gut. Leider sind mit der Maßnahme nicht die Kinder erreicht worden, die man erreichen wollte", sagt Claudia Rätz, Leiterin der Scheffelbergschule. Kinder, die von ihren Eltern bereits regelmäßig Obst für die Pause mitbekommen, hätten sich über das Angebot gefreut. "Aber die, bei denen es zuhause kein Obst gibt, konnten wir in der Schule auch nicht davon überzeugen."

Viele Kinder hätten gar nicht gewusst, was Zitrusfrüchte oder Melonen sind und die Becher heimlich entsorgt. Rund ein Drittel sei im Müll gelandet. Anders sieht es in den Kindergärten aus. Dort werde das Obstfrühstück gut angenommen. Deshalb sollen die rund 5000 Tagesstätten-Besucher auch weiterhin einmal die Woche kostenlos mit Obst versorgt werden.

Hans-Jürgen Melle, Chef des Kinderhausvereins, der elf Kindergärten in Zwickau betreibt, sagt: "Essen ist Kultur und Ritual. Das muss den Kindern im frühestmöglichen Alter angelernt werden." Durch die gemeinsame Frühstückspause sei es in der Tagesstätte einfacher, die Kinder zum Obstessen zu animieren, als in der Grundschule. "Wir sind mit dem Angebot sehr zufrieden, die Kinder essen ihr Obst fast alle immer auf." Etwas pädagogisches Geschick sei jedoch notwendig.

"Nach nicht mal einem Jahr zu sagen, das Obstfrühstück hat nicht funktioniert, halte ich für verfrüht", sagt Melle. CDU-Stadträtin Kathrin Köhler hält dagegen: "Da das Angebot nicht angenommen wurde, ist es richtig, es wieder abzuschaffen". Sie schlägt vor, eine gemeinsame Frühstückspause auch in den Grundschulen einzuführen.

Steffi Köhler, stellvertretende Leiterin der Nicolaischule, bedauert die bevorstehende Entscheidung: "Es ist eine gute Sache, denn so essen die Kinder wenigstens einmal die Woche wichtige Vitamine". Die Becher mit gemischtem Obst seien zu gut 80 Prozent aufgebraucht worden. "Wenn beispielsweise nur geschnittene Äpfel geliefert wurden, sah es schon deutlich schlechter aus. Und ganze Früchte werden schon gar nicht gegessen", sagt Köhler. Das Thema "Gesunde Lebensweise" steht im Lehrplan der sächsischen Grundschulen. Im Sachunterricht werde besprochen, warum Vitamine gut sind. "Die Schüler müssen angeleitet werden. Und wenn man ihnen Obst anbietet, dann essen sie es auch fast alle - aber eben nicht von allein", sagt die Lehrerin für Deutsch, Mathe und Musik.

Die mehr als 300 Schüler der Windbergschule seien dagegen vorbildliche "Obstler". "Fast alle bekommen täglich Vitamine mit von ihren Eltern. Insofern ist es auch nicht so tragisch, wenn das kostenlose Obstfrühstück wegfällt", sagt die stellvertretende Leiterin Martina Pinther.

 
erschienen am 22.05.2012 ( Von Christian Gesellmann )
© Copyright Chemnitzer Verlag und Druck GmbH & Co. KG
 
Kommentare
7
(Anmeldung erforderlich)
  • 25.05.2012
    17:05 Uhr

    gelöschter Nutzer: Ich bin bei weitem nicht immer mit Matthias1 auf einen Wellenlänge, aber hier muss ich ihm voll und ganz zustimmen.
    Selbst in der durch so manchen als sozial glorifizierten DDR haben meine Eltern mir die Milch in der Schule bezahlt und kostenloses Schulessen gab es nur für Kinder von Großfamilien.
    Das Essen der Schüler ist NICHT Sache der Pädagogen - dafür haben die Eltern zu sorgen.
    Und wenn ich sehe, dass Mammi oder Papi die Fluppe nicht aus dem Mund kriegen, dann scheint dafür ja genug Geld da zu sein.

    PS: Die Pädagogen sind auch nicht dafür zuständig den Kinderlein Benimm beizubringen. Diese Eigenschaft sollten die Kleinen bei der Einschulung bereits mit sich führen!!!

    0 1
     
  • 24.05.2012
    10:02 Uhr

    Luzifer: Die Idee war gut die Umsetzung wie immer schlecht. Es kann und darf nicht Aufgabe der Stadt sein die für Problemstellungen aufzukommen für die die Eltern und Pädagogen zuständig sind.
    Traurig ist das es zu Lasten der Kinder geht. Aber wie soll ein Kind lernen was wichtig und gut ist wenn es von den Menschen die sie führen und denen sie vertrauen kein gutes Vorbild erhalten.

    Gesunde Ernährung ist kein Privileg sozial besser gestellter Haushalte, aber wahrscheinlich gibt es doch einen direkten Zusammenhang zur Bildung.

    0 0
     
  • 23.05.2012
    13:46 Uhr

    Matthias1: Wenn man so etwas hört, versteht man, warum den Bürgern von Oberhausen das Messer in der Tasche aufklappt, wenn sie an den Soli denken. Da leistet sich eine Stadt wie Zwickau, der es eigentlich nicht besonders gut geht, die Kinder mit Obst zu versorgen und gibt dafür sechsstellige Beträge aus? Wäre es nicht in erster Linie Aufgabe der Eltern, ihre Kinder ausreichend zu ernähren? Selbst in der DDR haben Kinder fürs Schulessen oder die Schulmilch bezahlen müssen. Vollfinanzierte Obstpäckchen sollten sich unsere Kommunen auf Steuerzahlerkosten nicht leisten. Oder musste vielleicht ein örtlicher Obsthändler mit einem lukrativen Auftrag versorgt werden?
    Solange es noch unsanierte Schulen gibt, sollte man für solche Aktionen kein Geld verschleudern.

    0 3
     
  • 23.05.2012
    13:38 Uhr

    babyflori: Es mag zwar sein, das einige Kinder dieses Obst wegwerfen, weil sie es nicht kennen oder mögen, aber es gibt auch die andere Seite. Mein Sohn ist sehr viel Obst . Er hat dieses Angebot auch anfangs als gut empfunden,aber schon nach kurzer Zeit nicht mehr. Warum nur? Er brachte diese Schalen immer mit nach Hause und da sah ich den Grund. Das Obst wahr oft total matschig und einige Male auch schon richtig vergammelt. Sowas sollen die Kinder wirklich essen?

    1 0
     
  • 23.05.2012
    10:25 Uhr

    ez70: Irrtum! Das ist keine Erfindung von mir, sondern es existieren genug Erhebungen, welche belegen, dass gerade Kinder aus sozial schwachen Familien übergewichtig sind. das hat seine Ursache in meist zu fetthaltiger Ernährung (Fastfood) und mangelnder Bewegung. Und das ist so, weil es den Eltern oftmals an eigenem Antrieb fehlt, initiativ zu werden und sich Gedanken zur gesunden Ernährung ihrer Kinder zu machen.
    Und das färbt auf die Kinder ab... Nicht mehr und nicht weniger...Übrigens habe ich die Obstverteilung in keiner Weise als Armenspeisung o.ä. betrachtet. Im Gegenteil, ich finde solche Initiativen mehr als angemessen.
    Der Sinn meines Kommentares bestand aber nicht darin, die Einstellung dieses Programmes zu bewerten, sondern mich dazu zu äußern, dass Kinder kein Obst kennen.

    0 3
     

 
 
 
Artikel weiter empfehlen
per E-Mail per Bookmark
 
Facebook Teilen   Twittern  
 
Wetteraussichten für Zwickau
So

23 °C
Mo

16 °C
Di

14 °C
Mi

16 °C
Do

°C
präsentiert von
 
Freie Presse vor Ort

08056 Zwickau
Hauptstraße 13
Telefon: 0375 5490


Öffnungszeiten:
Mo. bis Fr. 9.00 - 17.30 Uhr, Sa. 9.00 - 11.00 Uhr

weiter lesen
 
Freien Presse Immobilien

Immobilienangebote für Zwickau und Umgebung

Finden Sie Ihre Wohnung in der Region Zwickau

Immobilienportal

► Mietangebote

► Kaufangebote

 
Unsere Partner
aok
chursächsische
 
 
 
 
 
 
 
Blumen versenden

Traumhafte Frühlingszeit

Machen Sie einem lieben Menschen eine Freude und überraschen Sie ihn mit schönen Frühlingsblumen.

weiter lesen