Obstfrühstück Die Kinder Arthur, Luise, Leni und Elinor (v. l.) lassen sich's schmecken und nehmen brav die Gabel, um sich aus dem Obst- und Rohkostangebot zu bedienen Zur Auswahl stehen Kombinationen mit Gurke, Möhre und Kohlrabi, Kiwi, Ananas, Weintraube und dreierlei Melone sowie Apfel und Birne - jeweils mundgerecht portioniert. Koch Jörn Manuel Steffen vom Caterer RWS und Erzieherin Michaela Weber freuen sich, dass es den Kleinen schmeckt.

Foto: Torsten Kohlschein

Stadt spendiert gesunden Imbiss

Seit September bekommen Kinder in Zwickauer Tagesstätten und Grundschulen ein Obstfrühstück gereicht

Zwickau. Arthur isst am liebsten Ananas. Die ist schön süß und saftig, und wenn man das Obst schon so kindermundgerecht portioniert vorgesetzt bekommt wie der Zweijährige und die anderen 26 Kinder der Tagesstätte "Planitzer Strolche", dann rutscht's nochmal umso besser. Auch Hans-Jürgen Melle, Geschäftsführer des Zwickauer Kinderhausvereins, der die Einrichtung am Fuße des Planitzer Schlossbergs trägt, ist begeistert: "Mit der wöchentlichen Obstmahlzeit hat es gleich von Anfang an perfekt geklappt - was Qualität, Menge, Pünktlichkeit angeht." Das sagt einer, der ansonsten eigentlich in seinen elf Einrichtungen nach der Devise "Eigener Herd ist Goldes wert" verfährt. Der Verein bekocht seine Kindertagesstätten ausschließlich selbst.

Das konnte man nicht ablehnen

Aber die Stadt Zwickau hatte den 48 Kindertagesstätten sowie den Grundschulen ein Angebot gemacht, das sie nicht ablehnen konnten. Obst und Rohkost im Wochenabonnement für alle 5000 Kindergartenkinder und 2500 Grundschüler der Stadt zum Nulltarif, appetitlich portioniert und hygienisch verpackt - da lässt man auch gern das Auto eines Leipziger Caterers auf den Hof, der diverse andere Kindereinrichtungen in Zwickau bekocht, wenn man seine Dienste sonst nicht in Anspruch nimmt.

50.000 Euro monatlich

Insgesamt 50.000 Euro monatlich lässt sich die Stadt den gesunden Imbiss für die jüngsten Zwickauer seit Anfang September kosten - 20.000 Euro davon, sagt Finanzbürgermeister Bernd Meyer (Linke), entfallen auf Kindertagesstätten, 30.000 Euro auf Grundschüler - obwohl es nur halb so viele sind: "Für die Schüler wird das anders aufbereitet, außerdem essen sie ja mehr", erläutert Meyer. Die Regelportion beträgt je Kindergartenkind 100 Gramm, je Schulkind 150 Gramm. "Erfahrungsgemäß bleibt aber oft noch etwas für den nächsten Tag übrig", sagt Erzieherin Michaela Weber.

Das Geld für das Obstfrühstück war frei geworden, weil die Stadt ihren Zuschuss für das Schulessen für Kinder von Hartz-IV-Empfängern im Frühjahr abgeschafft hatte. Der wurde den Eltern von den Argen als Einkommen angerechnet und den Betroffenen deshalb die Grundsicherung gekürzt. Meyer hält es aber für möglich, für diese Zielgruppe ein kostenloses Schulessen wieder einzuführen - bei Beibehalt des wöchentlichen Obstfrühstücks für alle: "Finanztechnisch ist das möglich", sagt er. Den Tagesstätten verschafft es Spielraum. Von Eltern mitgebrachtes Obst gehörte in den Einrichtungen des Kinderhausvereins geraume Zeit zum täglichen Speiseplan. Doch das Schälen und Zerkleinern, Aufgabe der Erzieherinnen, erwies sich als sehr zeitraubend. "Das war mit unserem Personalschlüssel nicht mehr zu machen", sagt Melle.

 
erschienen am 27.09.2011 ( Von Torsten Kohlschein )
 
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