Linke-Stadtrat René Hahn leidet an Depressionen und geht damit an die Öffentlichkeit.
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Stadtrat bekennt sich zu Depression
René Hahn geht mit Krankheit in die Öffentlichkeit und spendet Diätenerhöhung an Robert-Enke-Stiftung
Zwickau. "Ich will diese vermeintliche Schwäche nicht länger für mich behalten und stattdessen für mehr Verständnis eintreten", begründet der 28-jährige Stadtrat der Linken seinen Schritt. Der Freitod von Fußball-Nationaltorhüter Robert Enke habe ihn zuerst sehr nachdenklich gemacht und schließlich darin bestärkt, mit seiner Erkrankung offen umzugehen. Und er hat einen Entschluss gefasst: Die monatlich 40 Euro mehr Aufwandsentschädigung als Stadtrat sowie das höhere Sitzungsgeld will er an die neu gegründete Robert-Enke-Stiftung spenden (siehe Stichwort).
René Hahn will mit seiner Entscheidung Mut machen: "Verstecken ist keine Lösung. Man kommt immer wieder an den Punkt, an dem einem Unverständnis entgegen schlägt, weil niemand die Hintergründe kennt." So sei er als unzuverlässig angegriffen worden, weil er Tage lang nichts von sich hören ließ, sich stattdessen zuhause verkroch. Dass er eigenen Ansprüchen und Anforderungen anderer nicht immer gerecht wird, habe er bereits während der Schulzeit bemerkt. Angstzustände, Versagenängste - Probleme, die viele andere Teenager auch haben. Bei René Hahn gehen sie aber nicht mehr weg. Als er seine Ausbildung zum Röntgenassistent abbrechen muss, sucht er sich endlich Hilfe. Seit vier Jahren ist er in psychologischer Behandlung, hat drei Monate stationäre Therapie hinter sich. Doch immer wieder gibt es Rückschläge: Auch die nächste Ausbildung kann er nicht abschließen, das Abitur am Abendgymnasium überfordert ihn. Er hat gelernt, damit umzugehen, dass bei ihm nicht immer alles glatt läuft. Dass er mit 28 Jahren und ohne abgeschlossene Ausbildung als nicht leistungsfähig gilt, versucht er nicht mehr an sich heranzulassen. "Ich bemühe mich, es zu akzeptieren. Wenn es nicht geht, geht es eben nicht", sagt René Hahn. Das schwarze Loch, das Sich-Zuhause-Verkriechen gehöre eben auch zu seinem Leben.
Sein politisches Engagement im Stadtrat, im Ortschaftsrat Mosel und im Kampf gegen Rechts als Vorsitzender der Ortsgruppe des Vereins Roter Baum sei Selbsttherapie. "Hier erfahre ich Anerkennung und habe die Möglichkeit, mich zu verwirklichen." Dass politische Gegner seine Depressionen als Schwäche nutzen, fürchtet er nicht. Im Gegenteil: "Mir geht es besser, wenn ich damit offen umgehe, denn es nimmt Gegnern die Angriffsfläche."
Stichwort: Robert-Enke-Stiftung
Nach dem Freitod von Robert Enke haben der Deutsche Fußball-Bund, der Ligaverband und Bundesligist Hannover 96 Anfang Dezember eine Robert-Enke-Stiftung gegründet. Stiftungszweck ist die Förderung von Maßnahmen und Initiativen, die der Aufklärung, Erforschung und Behandlung von Depressionen dienen. Die gemeinnützige Stiftung wird mit einem Anfangsvermögen von 150.000 Euro ausgestattet, das DFB, Ligaverband und Hannover 96 zu je einem Drittel aufbringen. Es gibt bereits eine Robert-Enke-Stiftung, die sich der Unterstützung herzkranker Kinder widmet. Enkes Tochter Lara starb 2006 im Alter von zwei Jahren an einem angeborenen Herzfehler.


