Knirpse aus Mickymaus- und Teddygruppe der Villa Kunterbunt bekommen ihr Mittagessen von Köchin Gabriele Jessenberger.
Foto: Andreas Wohland
Studie blickt über den Tellerrand
Essen die Mädchen und Jungen Westsachsens in ihren Kindergärten gesund genug?
Zwickau. 150 von 176 Kindertagesstätten im Landkreis Zwickau haben freiwillig Auskunft gegeben, was bei ihnen auf den Tisch kommt. Ergebnisse und Empfehlungen fasst der Gesundheitsbericht 2012 zusammen, den das Gesundheitsamt des Kreises jetzt vorlegte. In einigen Tagesstätten wird das Mittagessen als problematisch eingeschätzt: Häufig gibt es Fleisch und süße Hauptgerichte, während Gemüse, frische Kartoffeln, Reis oder Seefisch zu selten auf dem Speiseplan zu finden sind, sagt Simone Hoesl. Unter Regie der Sozialpädagogin ist der Gesundheitsbericht erstellt worden. Das Frühstück, das die Kinder von zu Hause mitbringen, sei überwiegend vollwertig. Für das Vesper sieht Hoesl hingegen Handlungsbedarf: Zu oft liegen Kekse und Süßigkeiten in der Brotbüchse. Zwischenmahlzeiten sollten aber in erster Linie aus Obst und Rohkost bestehen.
Darauf legt auch der Zwickauer Kinderhausverein Wert, Betreiber von elf Kindergärten im Stadtgebiet: Einheimisches Obst liefert ein Zwickauer Händler. Gemeinsam schälen Kinder und Erzieher Bananen und Äpfel. Zudem setzt das Kinderhaus laut Vereinsgeschäftsführer Hans-Jürgen Melle Dämpfer ein, die Gemüse schonend dämpfen statt es zu kochen. So bleiben die Vitamine erhalten. Dosengemüse ist tabu.
Vier Kinderhaus-Einrichtungen kochen selbst, darunter die Pölbitzer Villa Kunterbunt, die die Tagesstätte Löwenzahn in Weißenborn mit versorgt. Sigrid Windisch, stellvertretende Leiterin der Villa, nennt Vorteile dieses Konzeptes: "Wird ein Kind krank, können wir in der Küche auf dem kurzen Dienstweg eine Diät bestellen." Auch auf religiöse Unterschiede könne reagiert werden. Dies sei bei einem islamischen Kind hilfreich, das die Einrichtung besucht. 2,05 Euro zahlen Eltern pro Tag für das Mittagessen. Davon lässt sich gesund kochen, sagt die Vizechefin. Ihr ist es auch wichtig, den Kindern Esskultur vorzuleben: "Wie fasst man Messer und Gabel an?" Die Erzieher sitzen mit am Tisch.
Eine Köchin und eine Küchenhilfe arbeiten in den Selbstkoch-Kitas des Kinderhauses. Melle zufolge absolvierte das Küchenpersonal eine Fortbildung bei der Deutschen Gesellschaft für gesunde Ernährung. Außerdem sind gerade die Küchen in den Tagesstätten "Alter Steinweg" und "Tausendfüßler" saniert worden, verweist der 46-Jährige.
Ein Ergebnis der Studie ist, dass Kinder in Einrichtungen mit selbst zubereitetem Mittagessen gesünder essen als andere. Aus Kostengründen lassen sich jedoch viele Kindergärten extern beliefern. Auch die Getränkeversorgung ist unter die Lupe genommen worden. Dabei fiel auf, dass Saft und gesüßter Tee zu oft zum Angebot gehören, sagt Hoesl vom Gesundheitsamt. Zudem greifen etliche Einrichtungen auf Milch mit einem hohen Fettgehalt von 3,5Prozent zurück.
Sechs von zehn befragten Kindertagesstätten des Landkreises wünschen sich eine Zusammenarbeit mit Ernährungsexperten. Auf falsches Essen und Trinken gehen unter anderem Krankheiten wie Fettsucht, Diabetes und Karies zurück.
Service
Die Studie "Essen in der Kita - gesund und lecker" ist im Internet veröffentlicht.
www.landkreis-zwickau.de/gesundheitsamt.html


