Der Gyrocopter reizt Wolfgang Senft und Nadin Arnold, aber beide bleiben derzeit am Boden.
Foto: Andreas Wohland
Thierfeld: Vernunft verleiht Fliegern Bodenhaftung
Fast 2000 Besucher nutzen die Gelegenheit für einen Abstecher zum Flugplatzfest - Trotz besten Flugwetters wollten nicht alle abheben
Thierfeld. Obwohl es sich am Wochenende nur um das Flugplatzfest des 1. Drachenfliegerclubs Sachsen handelte, gab es kein Rütteln an den gesetzlichen Richtlinien für den Flugbetrieb. Dazu gehört auch, dass die Aufsicht in den Händen eines versierten Startleiters lag. Eine Aufgabe, die der 53-jährige Ralf Duffek sehr ernst nahm. "Sicherheit hat bei uns Priorität, da machen wir keinerlei Abstriche. Zu meinem Job gehören unter anderem die Koordinierung der Starts und Landungen, der Funkkontakt zu den Piloten und natürlich darauf zu achten, dass am Boden niemand in den Bereich rotierender Teile gerät."
Selbst das ordnungsgemäße Auflisten der Start- und Landezeiten, fiel letztendlich in den Zuständigkeitsbereich von Ralf Duffek. Ihn störte es nicht, trotz des schönen Wetters am Boden zu bleiben. "Ich habe noch viele Gelegenheiten, mir die Welt von oben anzuschauen." Aber auch andere haben mehr oder weniger freiwillig auf das Abheben verzichtet. Beispielsweise Wolfgang "Wolle" Senft. Das 63-jährige Urgestein der Thierfelder Drachenflieger darf sich seit diesem Jahr Ehrenmitglied des Vereines nennen. "Schon als 16-Jähriger war ich als Fallschirmspringer in der Luft, absolvierte bis 1985 insgesamt 800 Sprünge und bin jedes Mal heil runter gekommen. Mit der Wende entdeckte ich dann meine Liebe zum Drachenfliegen." Nachdem er sich vor zwei Jahren einer Handoperation unterziehen musste, stellte er jetzt das Segel endgültig in die Ecke. "Fliegen bedeutet, rundum fit zu sein. Da ich das mit meiner Hand doch nicht mehr bin, haben ich beschlossen, aufzuhören. Das war eine Entscheidung der Vernunft. Ginge es nach meinem Herzen, wäre ich gerne noch weiter geflogen", gibt er zu. Inzwischen kümmert er sich unter anderem an der Winde darum, dass andere abheben können.
Auch bei Nadin Arnold (26) aus Lichtenstein war es Besonnenheit, die sie dazu veranlasste, vorerst nicht in die Luft zu gehen. "Ich bin vor zwölf Jahren das erste Mal geflogen und seither eine begeisterte Drachenfliegerin. Da ich aber zwei kleine Kinder habe, will ich momentan kein Risiko eingehen. Erst wenn unsere Sprösslinge aus dem Gröbsten raus sind, werde ich wieder fliegen", sagte sie. Schon jetzt freut sie sich freilich darauf, wieder diese unbeschreibliche Freiheit am Himmel genießen zu können. "Da oben kann dir niemand reinreden und die Welt unter dir sieht aus wie eine große Modellbahnplatte." Was das künftige Fliegen angeht, würde es Nadin Arnold reizen, sich die Welt vom Cockpit eines Gyrocopters aus anzuschauen. Am Sonnabend blieb ihr zunächst nur der bewundernde Blick auf eines dieser fliegenden Leichtgewichte, die äußerlich ein wenig an einen Hubschrauber erinnern, dessen Rotor aber nicht mittels Triebwerk, sondern passiv vom Fahrtwind angetrieben wird.

