Mehr Aufwand als vermutet: Bevor das Tuchmacherglöckchen am Turm der Katharinenkirche abgenommen werden kann, muss die Turmhaube abgebaut werden.
Foto: Andreas Wohland
Tuchmacherglöckchen an Katharinenkirche in Zwickau bereitet Sorgen
Expertengruppe hat sich am Mittwoch ein Bild vom Zustand der Glocke gemacht
Zwickau. Es führt kein Weg daran vorbei - das Tuchmacherglöckchen am Turm der Katharinenkirche muss abgenommen und seine Aufhängung erneuert werden. "Die Glocke befindet sich in einem relativ guten Zustand. Lediglich der Anschlagring weist ein paar Schäden auf. Deutlich mehr Sorgen bereiten uns die Stahlbänder der Glockenaufhängung. Erkennbar waren massive Korrosionserscheinungen mit Blattrostbildung", sagte Christian Schumann, Glockensachverständiger der evangelisch-lutherischen Landeskirche Sachsen, im Anschluss an den Ausflug in luftige Höhe. Es sei daher dringend geraten, kurzfristig eine umfassende Sanierung der Aufhängung in die Wege zu leiten.
In luftiger Höhe begutachteten Experten den Zustand des Glöckchens.
Foto: Andreas Wohland
Geläut wiegt 150 Kilogramm
Ganz so einfach dürfte das allerdings nicht über die Bühne gehen. Bereits am Mittwoch zerschlug sich die Hoffnung, die Glocke gleich abzunehmen und mit dem Korb, den auch die Sachverständigen für ihre Fahrt in 50 Meter Höhe nutzten, oder am Kranhaken zu Boden zu bringen. Hauptgrund ist die Aufhängung, mit der sie unter ihrem kleinen Türmchendach befestigt ist. Kirchenbaurat Gabriel Püschmann erklärte die Hintergründe. "So unkompliziert, wie wir es uns gewünscht haben, kommen wir da nicht ran. Wie es aussieht, muss vor dem Herunternehmen der rund 150 Kilogramm schweren Glocke die komplette kleine Turmhaube über dem Tuchmacherglöckchen abgebaut werden." Im Vorfeld absehbar war der jetzt erforderliche Aufwand für Püschmann nicht. Dokumente, die verraten würden, wie die Glocke angebracht wurde, gibt es nicht. Auch der Blick aus einer winzigen Öffnung neben dem Türmchen brachte zuvor keine verwertbaren Erkenntnisse.
Frage der Kosten ungeklärt
"Ich glaube nicht, dass in den vergangenen 100 Jahren irgendetwas am Glöckchen gemacht wurde. Auf Grund seiner Beschaffenheit wissen wir jetzt aber zumindest, dass es sich nicht um eine reine Schlag-, sondern eine Läuteglocke handelt", sagte Püschmann. Allerdings bereitet ihm nicht nur die rostige Halterung des Tuchmacherglöckchens Kopfzerbrechen. Bei einem Blick von oben herab wurde schnell klar, dass sich sowohl das südliche Dach als auch die Turmdachfläche in einem relativ schlechten Zustand befinden. "Wir müssen jetzt überlegen, ob wir den geplanten Ablauf der Sanierung verändern und den nächsten Bauabschnitt an den Turm verlegen." Diese Variante hätte zudem den Vorteil, dass am Turm ohnehin ein Gerüst steht und sich die Arbeiten an der Glocke einfacher gestalten würden.
Bevor eine endgültige Entscheidung fällt, muss aber zunächst noch die gesamte Frage der Kosten geklärt werden. "Im Augenblick kann ich noch nicht mit Sicherheit sagen, wie es weitergeht. Eines ist aber klar, das Tuchmacherglöckchen soll erhalten bleiben", sagte Püschmann.

