Ums Zapfen gibt es Zank
Besitzer von Brauerei kündigen Vertrag mit Gemeinde
Zwickau/Vielau. Zwickau/Vielau. Um die jahrhundertealte Brauerei im Reinsdorfer Ortsteil Vielau ist ein Streit entbrannt, der auch die Justiz beschäftigt. Die Eigentümer des Gebäudes - Erika und Manfred Lorenz - haben einem ihrer Mieter - der Gemeinde Reinsdorf - Ende Mai den Mietvertrag gekündigt und Anfang Juni die Schlösser zum Haus ausgewechselt. Deshalb hat die Gemeinde beim Zwickauer Amtsgericht eine einstweilige Verfügung beantragt, um wieder in das Gebäude zu gelangen.
Am Donnerstag wurde zwei Stunden darüber verhandelt. Der Eindruck: Die Fronten zwischen den beiden Parteien sind derart verhärtet, dass fraglich ist, ob und in welcher Form die Brauerei künftig für die Öffentlichkeit zugänglich sein wird. Eine Entscheidung über die Rechtmäßigkeit der Kündigung wurde auf Ende des Monats vertagt.
Der Fall ist knifflig, musste die in Mietrechtsangelegenheiten erfahrene Richterin Birgit Nagel zugeben. Als Grund für die fristlose Kündigung brachten Petra Lorenz, die Tochter der Hauseigentümer, und ihr Anwalt Jens Conrad am Donnerstag unter anderem ausstehende Mietzahlungen und entwendetes Eigentum vor. Kernpunkt war aber der Vorwurf an die Gemeinde, dass sie sich nicht an die Vereinbarungen im Mietvertrag halte. So bestehe seit 2002 zwar für einige Räume in der Brauerei ein Vertrag mit der Gemeinde, jedoch nicht mit dem Verein Museumsbrauerei Vielau, dessen Mitglieder ein- und ausgingen. Die Gemeinde hätte laut Anwalt Conrad eine Erlaubnis einholen müssen, damit sie den Zutritt auch anderen Menschen als Angestellten der Verwaltung gestatten kann.
Für Martin Alter, den Rechtsvertreter der Gemeinde Reinsdorf, war diese Argumentation nicht nachvollziehbar. Er argumentierte, dass die Mitglieder des Vereins bereits seit Beginn des Mietsverhältnisses - anfangs noch als Untergruppe des Heimatvereins Reinsdorf - die Brauereiräume hergerichtet und eine Dauerausstellung aufgebaut hätten, zudem zu festen Anlässen Bier brauten. Über Jahre habe es niemanden gestört, dass die Gemeinde die Schlüssel an den Verein weitergab.
Dass der Verein Museumsbrauerei Vielau die Brauereiräume künftig weiter nutzen könnte, schloss Anwalt Conrad aus. Ihm sei der Zutritt nicht mehr gestattet, selbst wenn es mit der Gemeinde eine Einigung über den Mietvertrag gibt.


