Straße Entlang der Leipziger Straße gibt es einige Häuser, die für den künftigen Freiraum-Verein interessant sein könnten. Damit würde auch die Ansicht der gesamten Fassadenfront aufgewertet.

Foto: Ralph Köhler

Verein baut Totgesagte wieder auf

Gebäude sollen vorm Abriss bewahrt werden

Zwickau. Lückenlos schön - so möchte sich Zwickau am liebsten präsentieren. Aber das geht schon nicht mehr. Denn in zahlreichen, einst eindrucksvollen, Fassadenreihen klaffen Löcher. Damit es nicht noch mehr werden, möchte nun ein gutes Dutzend junger Leute einen Verein gründen, der wieder Leben in totgesagtes Gemäuer bringen will. Freiräume Zwickau soll sich der Zusammenschluss nennen und sich am Prinzip der Leipziger Wächterhäuser orientieren.

Dabei treffen vielseitige Interessen aufeinander. Während sich die einen um die Ansicht der Stadt sorgen, erhoffen sich andere ein preiswertes Domizil. Und wieder andere wünschen sich eine Zukunft für Gebäude, die seit Jahren dem Verfall preisgegeben sind - für wenig Geld. Weil all das zusammenpasst, gewinnen am Ende alle. Das ist jedenfalls der Plan. Und der soll funktionieren. Davon ist Bauingenieur Thomas Fritzsch ebenso überzeugt wie Streetworkerin Ines Kahl und Architekt Jens Bernhardt.

Selbst in der Stadtverwaltung haben die jungen Leute Mitstreiter gefunden. Denn von dort haben sie die Erlaubnis bekommen, drei Häuser an der Leipziger Straße zu inspizieren. Zwei davon sind zwar für eine Instandsetzung zu marode, doch mit dem dritten könnte sich die Gruppe anfreunden, sagt Matthias Grimm, der sich um den Kontakt zum Leipziger Haushalten-Verein bemüht hatte.

Wie aber soll ein Verein für die Sanierung alter Häuser Geld aufbringen, wenn es die Stadt schon nicht kann? Das geht, wenn man sich bescheidet. "Wir brauchen nur von der Stadt das Geld, das sie für einen Abriss bezahlen müsste", sagt Bauingenieur Fritzsch. "Das muss dann reichen, um das Dach abzudichten, den Keller einigermaßen trocken zu legen und dafür zu sorgen, dass es überall Fenster, Strom und Wasserleitungen gibt", ergänzt Grimm. Alles andere liegt in der Hand der späteren Nutzer - und das im eigentlichen Sinn des Wortes. Für wenig Geld können dort Familien einziehen, Künstler reichlich Theater machen, Jugendliche ein Café eröffnen oder Bands auf die Pauke hauen. Hauptsache, sie packen selbst mit an, wenn es um den Ausbau der Häuser geht. Denn Eigenleistung ersetzt so manchen Euro, den die Stadt jetzt auch nicht hat, um ein Haus zu retten.

Klingt gut - aber die künftigen Vereinsmitglieder halten sich mit Euphorie zurück. Denn sie sind sich nicht sicher, ob sie in Zwickau genügend Nutzer finden, um das Rad ins Rollen zu bringen. "Wir fangen erst einmal mit einem Haus an. Und wenn das funktioniert, kann es weitergehen", sagt deswegen Thomas Fritzsch.

Sozialarbeiterin Ines Kahl kennt dagegen schon mögliche Nutzer. Sie trifft sie täglich auf der Straße: Junge Leute, die von einem alternativen Café träumen. Die eine Ausbildung haben und anpacken wollen. "Denen ist der Zustand der Räume egal. Die wollen was gestalten."

 

Service

Erreichbar sind die Initiatoren telefonisch unter 01578 2559094 oder elektronisch: freiraeume-z@gmx.de.

Mehr Informationen gibt's außerdem unter facebook.com/freiraeumezwickau

 

Vorbild aus Leipzig

Der Verein Haushalten, 2004 in Leipzig gegründet, hat 16 Häuser vor dem Abriss bewahrt. Dort setzt der Eigentümer -anders als in Zwickau geplant - die Gebäude grundsätzlich in Stand. Die Nutzer - Hauswächter genannt - zahlen die Betriebskosten und sorgen dafür, dass das Haus nicht weiter verfällt.

Auch in anderen Städten wird dieses Prinzip umgesetzt. Das erste Wächterhaus in Chemnitz ist 2009 eröffnet worden. Weitere Projekte gibt es in Görlitz, Halle und Erfurt.

Wann sich der Verein Freiräume Zwickau gründet, steht noch nicht fest. Die Initiatoren treffen sich am 6. Februar zu einer weiteren, öffentlichen Besprechung.

 
erschienen am 25.01.2012 ( Von Sara Thiel )
© Copyright Chemnitzer Verlag und Druck GmbH & Co. KG
 
Kommentare
1
(Anmeldung erforderlich)
  • 26.01.2012
    12:11 Uhr

    Luzifer: Eine gute Idee die hoffentlich genügend Mitstreiter findet. Und die Stadt sollte das maximal Mögliche dazu beitragen. Es muss alles getan werden um nicht den schlechten Beispielen zu folgen. Chemnitz hat Mut zur Lücke bewiesen (http://www.chemnitz-zieht-weg.de/) und vieles abgerissen. Zwickau sollte die Möglichkeiten nutzen das anders zu machen. Die Leute werden das Angebot nutzen, wenn es denn da ist.... und solange Zwickau alles dafür tut junge Leute und Familien anzuziehen. Dafür ist es aber auch notwendig gegen kauzige Rentner in Plattenbauten zu agieren.

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