Über das Blockheizkraftwerk in Bernd Winklers Gastwirtschaft Lindengarten werden Wärme fürs Haus und rund sechs Kilowatt Stromleistung produziert. Sollte die ZEV irgendwann die Kosten für die Befreiung von Stromgroßverbrauchern von Netzentgelten auf Mittelstand und Privathaushalte umlegen, hätte sich Winkler mit einer solchen Investition, die ihn ein Stück weit unabhängig macht, praktisch selbst geschadet.
Foto: Marcus Richter
Warmer Regen für Großkunden zieht an der Region vorbei
Strom-Großverbraucher sind künftig von Netznutzungsentgelten befreit
Zwickau. Bernd Winkler fragt sich manchmal, wozu er das eigentlich alles macht. Beim Kostenfaktor Energie ist der Wirt des Zwickauer Brauhauses, des Steinpleiser Lindengartens und eines weiteren Brauhauses am Leipziger Völkerschlachtdenkmal jemand, der mit spitzem Bleistift rechnet. Weshalb er zum Beispiel in Steinpleis ein Blockheizkraftwerk installiert hat und bei den am Leipziger Standort laufenden Arbeiten für einen Ergänzungsneubau alle Optionen zur Energieeinsparung, inklusive Nutzung nachhaltiger Quellen prüft.
Investition wird nicht honoriert
Dass nun allerdings die großen Energieschlucker durch den Wegfall des Netznutzungsentgeltes auf Kosten der Kleinverbraucher entlastet werden, auch wenn die Zwickauer Energieversorgung (ZEV) diese Kosten zunächst nicht an die betroffenen Endverbraucher weiterreicht, bezeichnet er als unfair: "Wir haben in der Vergangenheit bereits einige Maßnahmen realisiert, um Energiekosten zu sparen. Mit dem Blockheizkraftwerk in unserer Gaststätte Lindengarten in Weißenbrunn erzeugen wir beispielsweise selbst Strom. Deshalb beziehen wir weniger als 100.000 Kilowattstunden (kWh) pro Jahr vom Stromversorger. Bleibt die Frage, ob wir nun für diese Investition bestraft werden."
Kleinere Strukturen im Nachteil
Wie gesagt, nicht direkt, aber honoriert wird sie auch nicht. Wie alle anderen Unternehmen der Region, stellt Torsten Spranger, Geschäftsführer der IHK-Regionalkammer Zwickau, fest: "Die Novellierung der Stromnetzentgeltverordnung benachteiligt die überwiegend kleineren Betriebsstrukturen unserer Region und beeinträchtigt ihre Wettbewerbsfähigkeit -durch die ohnehin höheren Netznutzungsentgelte im Osten Deutschlands. Nach unserem Kenntnisstand kann derzeit im Kreis Zwickau kein einziges Unternehmen auf vollständige Befreiung vom Netzentgelt hoffen", so Spranger. Nach Auskunft der ZEV würde nur deren größter Kunde Johnson Controls in den Genuss der Befreiung kommen, wenn die Anlagen so umgestellt werden, dass die geforderten 7000 Vollbenutzungsstunden erreicht werden.
Wenig Verständnis für die Netzgebührenpolitik bringt auch Gert Kehle, Geschäftsführer der Ilkazell Isoliertechnik, auf. Zwar müsste der Kühlzellenbauer mit energieintensiven Prozessen nur einen gedeckelten Beitrag zwischen 0,025 und 0,05 Cent je kWh für den Stromtransport zusätzlich zahlen, sollte den die ZEV doch mal auf die Verbraucher umlegen. Für den Kleinverbraucher wären es aber 0,151 Cent - das Drei- bis Sechsfache. Mithin, so Kehle, sei es keine Lösung, Großkunden zu begünstigen, dafür kleinen Firmen und privaten Haushalten neue Lasten aufzubürden.


