Christian Fuchs - Journalist und BuchautorFoto: Christoph Busse
"Was kann Zwickau dafür?"
Journalist Christian Fuchs über das erste Buch zur Terrorzelle - und warum im Titel der Verweis auf die Stadt fehlt
Zwickau. Am Freitag erscheint das erste Buch über die rechte NSU-Terrorzelle, die von Zwickau aus operierte. Christian Fuchs, einer der Autoren, gab Torsten Kohlschein sein erstes Interview zum Buch.
Freie Presse: Herr Fuchs, wie oft sind Sie im Verlauf Ihrer Recherche in Zwickau gewesen?
Christian Fuchs: Insgesamt von November bis jetzt waren John Goetz und ich dreimal in der Stadt. Aber unsere NDR-Kollegen, die uns bei der Recherche unterstützt haben, waren noch öfter da.
Freie Presse: Bei wem waren Sie?
Christian Fuchs: Wir haben versucht, in dem Buch einen biografischen Zugang zu den Terroristen der NSU zu finden. Wir waren vor allem im Umfeld, wo sie gelebt haben. Frühlingsstraße, Polenzstraße. Und dann bei allen möglichen Leuten, die sie gesehen haben könnten. Beim Tierarzt, in den Supermärkten, im Döner-Imbiss, in dem Beate Zschäpe gern gegessen hat. Wir haben versucht, ihr Leben bestmöglich zu rekonstruieren. Das zweite Leben, das sie dort geführt haben.
Das Buch "Die Zelle", 272 Seiten, gebunden, gibt es für 14,95 Euro im Buchhandel. ISBN: 978-3498020057.
Freie Presse: Wie ist in diesem Rechercheumfeld das Echo auf Ihre Aktivitäten ausgefallen?
Christian Fuchs: Nicht viel anders als in anderen Städten. Die Leute sind sehr reserviert. Zum einen gibt es großes Misstrauen gegenüber Journalisten, was ich sehr gut verstehen kann. Es sind ja viele im November gleich eingefallen und sind nicht alle sehr positiv aufgetreten. Zum anderen möchte niemand in der Zeitung stehen als Peter Müller, der Freund der Terroristen, der Monster. Diese Angst war sehr verbreitet. Ich kann das sehr gut nachvollziehen. So mussten wir bei Leuten, von denen wir annehmen konnten, dass sie uns interessante Sachen zu erzählen haben, viel Zeit dazu aufwenden, Vertrauen aufzubauen. Öfter hinfahren - wir haben viele Briefe geschrieben, bevor ein journalistischer Kontakt stattgefunden hat. Viele Leute wollten auch gar nicht mit uns reden. Zum Beispiel die Frau, die auf Beate Zschäpes Katzen aufgepasst hat - eine der wenigen, die die Wohnung in der Frühlingsstraße sehr gut kannte. Sie war dort immer, wenn Beate Zschäpe mit den beiden Männern auf Fehmarn im Urlaub war.
Freie Presse: Hatten Sie bereits zuvor mit dem Thema rechter Terror zu tun?
Christian Fuchs: Eher nicht. Aber es gab ja auch nicht so viel davon in meiner bisherigen Lebenszeit. Mit dem Thema Rechtsextremismus schon eher. Ich arbeite ja aus Leipzig für diverse Medien. Das ist ein beliebtes Thema, das in München und Berlin viel nachgefragt wird. Aber ich versuche auch andere, positivere Dinge aus Ostdeutschland zu verbreiten. Viel zu tun hatte ich mit islamischem Terrorismus. Beim Prozess gegen die Sauerland-Gruppe fand ich viele Parallelen zum Rechtsterrorismus.
Freie Presse: Welche denn?
Christian Fuchs: Die Radikalisierung ist ein sehr männliches Phänomen. Es sind alles junge Männer, die in einer Form ein gebrochenes Verhältnis zu ihrem Vater hatten. Sie waren auf Suche nach Gemeinschaft, nach Menschen, die sie nehmen, wie sie sind.
Freie Presse: Hat es einen Grund, dass der Zusatz Zwickau im Titel fehlt?
Christian Fuchs: Das war eine bewusste Entscheidung. Wir hatten kein Interesse, die Diffamierung von Zwickau weiter zu führen. Muss man die Zelle verorten, dann in Jena. Dort hat sie sich radikalisiert. Bei jeder Werbeanzeige zu unserem Buch, die der Verlag veröffentlichen will und in der von der Zwickauer Zelle die Rede ist, rufen wir dort an und erklären, dass wir das so nicht möchten. Was können die Zwickauer dafür, dass diese Drei sich dort niedergelassen haben?
Freie Presse: Sind Lesungen mit Ihnen und John Goetz in Zwickau geplant?
Christian Fuchs: Noch nicht. Aber wir würden uns über eine Einladung sehr freuen. Wir würden gern kommen.


22:19 Uhr
ez70: Endlich jemand, der öffentlich ausspricht, was bisher tabu war: Weder die Stadt Zwickau als solche, noch deren Einwohner haben auch nur geringsten Anteil an den Verbrechen dieser Gruppe. Es ist daher an der Zeit, dass sich die Öffentlichkeit darauf besinnt, dass dieses Trio bei Ihrer Enttarnung zwar in Zwickau wohnte; mehr aber auch nicht!
Zwickau war und ist in keiner Weise als Nazistadt zu bewerten. Das sollte sich vor allem auch eine gewisse Frau OB eingestehen. Ihre Aktivitäten der letzten Wochen kommen fast einem Schuldeingeständnis gleich! Wofür eigentlich?