Eine Cannabispflanze, wie sie ein Crimmitschauer anbaute.
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Wertloses Cannabis wird zum teuren Spaß
Gerichtsreport: Junger Mann hatte neun Drogenpflanzen großgezogen
Zwickau. Eine dumme Idee und eine große Klappe kosten Henri F.* 700 Euro. Über den Zaun hinweg hatte sich der 27-Jährige im vorigen Sommer mit einem Gartennachbarn seiner Eltern angelegt. Und als dieser sah, dass auf den Beeten nicht nur Erdbeeren und Bohnen wachsen, sondern auch neun bis zu zwei Meter hohe Cannabispflanzen, rieb er sich die Hände - und zeigte F. an.
20 statt 120 Tagessätze
Weil Henri F. gegen eine Geldstrafe, die im März wegen seines illegalen botanischen Experiments verhängt wurde, Widerspruch einlegte, wurde gestern am Zwickauer Amtsgericht verhandelt. Richter Heiko Eisenreich kam dem Crimmitschauer entgegen: Statt 120 Tagessätzen muss E. nun nur noch 20 Tagessätze zu jeweils 35 Euro zahlen. Warum er so glimpflich davon kam? F. konnte glaubhaft machen, dass er mit Drogen nichts am Hut hat und nur vor zehn Jahren mal aus Neugier gekifft hatte. Aus der Zeit sollen auch die Samen stammen, die der Mann in die Erde buddelte. Aus ihnen erwuchsen zwar stattliche Pflanzen, ihr Wirkstoffgehalt war aber nicht dazu angetan, daraus Marihuana in rauen Mengen zu erhalten.
Eine gute Erklärung für seine Pflanzenwahl hatte der 27-Jährige vor Gericht nicht. "Ich wollte damit niemandem schaden oder daraus Profit schlagen", sagte er und stellte es als eine Art Dumme-Jungen-Tat dar. "Würden Sie das glauben, wenn Sie jetzt hier als Richter sitzen würden", fragte Eisenreich daraufhin - und F. gab zu, dass das wohl eher unglaubwürdig klingen dürfte. "Wenn ich Gras anbaue, mache ich das nicht, weil die Pflanze so schön aussieht mit ihren fünf Fingern", sagte Heiko Eisenreich.
Wusste nicht, was wächst
Dem Richter zufolge konnte F. von Glück reden, dass die Pflanzen nicht blühten und im Grunde zu nichts zu gebrauchen waren. "Es hätte ja auch wesentlich mehr herauskommen können als 6,3 Gramm Wirkstoffanteil. Ich glaube nicht, dass Sie die Pflanzen dann weggeschmissen hätten", sagte er. Das Argument der Verteidigung, der Anbau sei nicht erfolgreich gewesen und damit auch gänzlich ungefährlich, wollte Eisenreich nicht teilen. Zu Henri F. gewandt, sagte er: "Als Sie es angebaut haben, wussten Sie ja noch nicht, was am Ende herauskommen wird."
* Name von der Redaktion geändert

