"Achtung, Anthrax-Verdacht" steht auf dem Beutel. Der verdächtige Fund von Donnerstag wird derzeit untersucht.Foto: Andreas Wohland
Wilkau-Haßlau: Milzbrand-Verdacht - Wochenende in Angst
Per Brief versendetes weißes Pulver wird untersucht
Wilkau-Haßlau. Am Donnerstag hat Kirsten Münzner (46) noch Dienst nach Vorschrift verrichtet. Nun verlebt sie ein Wochenende in Angst. Möglicherweise hat sie sich mit dem Milzbranderreger infiziert. Die Frau arbeitet in der Wilkau-Haßlauer Poststelle und hat dort einem 18-Jährigen den Brief überreicht, den er von einem anonymen Absender erhielt. Der Mann öffnete die Post noch in der Filiale. Dabei rieselte weißes Pulver auf den Tresen. Laut einem beigelegten Zettel war es mit Bacillus anthracis versetzt, dem Erreger einer gefährlichen Krankheit. Münzner hat das Pulver einfach abgewischt. "Mit einem alten Lappen. Den hab ich dann in einen Eimer geschmissen."
Die Spezialkräfte der Feuerwehr haben den Eimer noch am Abend desinfiziert. Das weiße Pulver ist am Freitag nach Leipzig an die Landesuntersuchungsanstalt geschickt worden. Kirsten Münzner aber wurde nicht ärztlich untersucht. Sie wurde von Amtsärztin Carina Pilling mit einen Zettel abgespeist, wie sie es nennt. Darauf steht, dass es keinen Anhaltspunkt gibt, dass sie sich mit etwas Gefährlichem angesteckt hat. Und dass sie zum Arzt gehen soll, wenn's ihr nicht gut geht.
Anwalt Matthias Croy, den sie um Rat gefragt hat, findet das unglaublich: "Das passt nicht zusammen: Einerseits gilt die Milzbrand-Gefahr, solange sie nicht ausgeschlossen werden kann. Andererseits werden die Menschen so behandelt, als sei nichts zu befürchten." Davon geht auch das Landratsamt aus. "Quarantäne ist nicht notwendig, da Milzbrand als Tierkrankheit praktisch nicht von Mensch zu Mensch übertragbar ist", sagt die Amtsärztin. Trotzdem möchte die Postangestellte wissen, warum sie nicht untersucht wurde. Auf diese Frage gab es keine Antwort - das Landratsamt war gestern Nachmittag nicht mehr zu erreichen.
Die Ungewissheit bleibt bis Montag. Auch für den Brief-Empfänger und die drei Polizisten, die mit dem Pulver in Berührung kamen und am Freitag wieder normal Dienst geschoben haben. Laut Andreas Grenner, Verwaltungsdirektor der Landesuntersuchungsanstalt, dauert es 72 Stunden, ehe der Milzbranderreger ausgeschlossen werden kann. Dazu kommt das Pulver in ein Nährmedium, um zu sehen, ob sich eine Kolonie entwickelt. Am Montag werde die Polizei über das Ergebnis informiert.

