Wilkau-Haßlauer Brandschützer übten mit Benzin
Staatsanwaltschaft dehnt nach Explosion bei Training Ermittlungen auf Feuerwehrleiter aus
Wilkau-Haßlau/ Zwickau. Bei der Löschübung der Freiwilligen Feuerwehr Wilkau-Haßlau, bei der elf Menschen, darunter neun zuschauende Kinder, verletzt wurden, war Benzin im Einsatz. Das hat Bernd Sämann, Pressesprecher der Staatsanwaltschaft Zwickau, jetzt auf Anfrage mitgeteilt.
Die Übung am Abend des 8.September war außer Kontrolle geraten. Nach einer Explosion flogen Fensterglassplitter umher. In der leer stehenden Plattenbauwohnung im ersten Stock des Fünfgeschossers Beethovenstraße 1 sei eine mehrere kleine Brandherde umfassende Trainingsinstallation eingerichtet worden. An drei Stellen waren jeweils bis zu zwei Liter Benzin im Einsatz. Das hätten die Aussagen des für die Entzündung des Übungsfeuers verantwortlichen Feuerwehrmannes und des Wehrleiters ergeben. Gegen letzteren, der sich bei der Explosion selbst verletzt hatte, wird nun ebenfalls ermittelt. Bei beiden besteht der Verdacht des fahrlässigen Herbeiführens einer Sprengstoffexplosion sowie der fahrlässigen Körperverletzung.
Da sich die Feuerwehrleute bei der Ermittlungsarbeit als kooperativ erwiesen hätten, habe man auf die Vernehmung von nicht unmittelbar betroffenen Zeugen der Übungshavarie verzichten können. Gegenwärtig, so Sämann, sei die Polizei noch dabei, die verletzten Kinder zu vernehmen, damit sich die Staatsanwaltschaft ein Bild vom Schadensausmaß machen kann. Auf das Gutachten des sächsischen Landeskriminalamtes zur genauen Explosionsursache wartet die Justizbehörde noch.
Dass solcherlei Unfälle passieren, führt Björn Lüssenheide, Berufsfeuerwehrmann aus Niedersachsen und Betreiber der Internetseite www.atemschutzunfaelle.de, die vergleichbare Vorfälle dokumentiert, auf die unzureichende Ausbildungssituation der freiwilligen Feuerwehren in Deutschland generell zurück. In Schweden zum Beispiel seien Mitglieder jeder freiwilligen Feuerwehr verpflichtet, einmal im Jahr an einer kontrollierten Realbrandausbildung in dafür speziell geschaffenen Trainingseinrichtungen teilzunehmen. "In Deutschland gibt es zu wenige Übungsmöglichkeiten. Die Wehren machen so etwas ja nicht, weil sie Pyromanen sind, sondern weil sie sich vernünftig ausbilden wollen", erläutert Lüssenheide.


