Geschäftsführer Geschäftsführer Tom Radtke steht vor der Filmpresse, die die Fährbrücker vor knapp zwei Jahren für 2,5 Millionen Euro gekauft haben. Die Presse imprägniert die Oberfläche von zwischengetrocknetem Papier. Das Auftragen des Beschichtungsfilms verbessert die Öl- und Fettresistenz des Lebensmittelverpackungspapiers.

Foto: Ralph Köhler

"Wir sind eine Nischenfabrik"

Tom Radtke, Geschäftsführer von Fährbrücke Spezialpapiere, über die neue Betreibergesellschaft und Kundenwünsche

Langenweissbach. Seit Jahresbeginn gibt es für die Papierfabrik Fährbrücke zwei Gesellschaften: neben der alten auch die Betreibergesellschaft "Fährbrücke Spezialpapiere". Deren Geschäftsführer ist Tom Radtke. Matthias Nicko sprach mit dem 48-jährigen Westfalen über dessen Erwartungen.

Freie Presse: Herr Radtke, im Januar haben Sie die Firma "Fährbrücke Spezialpapiere" gegründet, die nun parallel zum alten Betrieb existiert. Wie werden die Aufgaben verteilt?

Tom Radtke: Das alte Unternehmen ist für die Energiegewinnung und den Energiehandel zuständig, das neue für die Papierproduktion. Wir haben das operative Geschäft ausgegliedert. Dadurch sparen wir 30.000 bis 80.000 Euro pro Monat.

Was zeichnet den Standort Fährbrücke aus?

Wir produzieren seit 1881 - und zwar keine Massenprodukte wie Toiletten- und Zeitungspapier oder Briefumschläge. Wir sind eine Nischenfabrik, die neben wenigen anderen deutschen Firmen Spezialpapiere herstellt.

Was gehört dazu?

Einschlagpapiere für Imbissbuden oder Bäckereien, Beipackzettel für die Pharma-Industrie, auch Backpapier gehört dazu.

Sind diese Produkte krisenfest?

Ja, gegessen wird immer. Und krank werden die Menschen auch. Außerdem vertrauen wir auf unsere diversen Rezepturen und zwei Patente.

Der deutsche Markt ist sehr umkämpft. Wie hoch ist Ihre Exportquote?

Sie liegt bei rund 55 Prozent. Vor zwei Jahren ging nur ein Drittel ins Ausland.

In welche Länder liefern Sie?

Wir haben Kunden auf sämtlichen Kontinenten, insgesamt etwa 900. Diese Partnerschaften versuchen wir auszubauen. Die ersten Gespräche in diesem Jahr habe ich in Griechenland, Großbritannien, Irland und den Benelux-Ländern geführt.

Nennen Sie ein Produkt, das sich im Ausland gut verkauft.

Wir versorgen zum Beispiel 75 Prozent des holländischen Marktes mit Blumen-Einschlagpapier.

Was erwartet der Kunde anno 2012 von Ihnen?

Dass das Papier immer dünner wird. Denn umso weniger muss er kaufen. Das Flächengewicht unserer Papiere hat sich in den vergangenen zwei Jahren halbiert.

Wie hat sich dies auf den Umsatz ausgewirkt?

Der ist um ein Viertel gesunken - von 32 auf 24 Millionen Euro.

Welche finanziellen Ziele stecken Sie sich als eigenständiges, mittelständisches Familienunternehmen für das neue Jahr?

15 Prozent mehr Umsatz. Das ist realistisch, weil einige Mitbewerber vom Markt verschwunden sind. 2011 erwirtschaften wir keinen Gewinn, im neuen Jahr rechnen wir aber mit einem positiven Ergebnis.

Arbeiten Sie bei der Produktion mit anderen Firmen zusammen?

Nein, wir machen alles selbst: Von der Papierherstellung über Bearbeitung, Schnitt, Sortierung und Verpackung bis hin zur Auslieferung.

Welche Investitionen planen Sie für 2012?

Ab dem Frühjahr wollen wir die Masse an geschnittenem Papier von zwölf auf 60 Tonnen verfünffachen. Dies wird durch einen neuen Querschneider möglich. Außerdem ist der Kauf einer Turbine für 3,2 Millionen Euro geplant.

2008 musste die Fabrik eine schwierige finanzielle Situation meistern, die auf Schulden der Voreigentümerin und auf hohe Energiekosten zurückging...

Wir wollten deshalb ein Kraftwerk zur Gewinnung regenerativer Energien bauen. Diese Pläne zerschlugen sich, weil sie schwer durchsetzbar waren. Also beziehen wir weiter Gas. Dafür geht fast ein Viertel unseres Umsatzes drauf.

Wo liegen Einsparpotenziale?

Für 2012 haben wir einen Energie-Maßnahmenkatalog erarbeitet. Beim Verbrauch von Wärmeenergie (Dampf) und Elektroenergie wollen wir an der Papiermaschine Kosten optimieren.

Wie viele Mitarbeiter beschäftigen Sie am Standort?

Momentan 108. Das sind zehn mehr als Anfang 2011. Übrigens kommen 70 Prozent von ihnen aus Langenweißbach.

 
erschienen am 01.02.2012
© Copyright Chemnitzer Verlag und Druck GmbH & Co. KG
 
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