Zum Frauentag lässt sich Kerstin Wenzel (rechts), die im Sportlerheim Steinpleis ihrem Ehemann Andreas unter die Arme greift, gern mal verwöhnen - etwa von Serviererin Heike Hänseleit.
Foto: A. Wohland
Wo einmal pro Woche Frauentag ist
So schmeckt's in Westsachsen: Sportlerheim in Steinpleis bietet nicht nur Bockwurst und Schnitzel
Steinpleis. Steinpleis. Normalerweise gehört der Donnerstagnachmittag im Steinpleiser Sportlerheim der geballten Weiblichkeit. Nachdem sie ihr wöchentliches Fitnessprogramm absolviert haben, das ein Stockwerk höher stattfindet, treffen sich die über- 60-jährigen Frauen im Gastraum. Dort erholen sie sich in trauter Runde von den Anstrengungen. Zum Internationalen Frauentag gibt es die berühmte Ausnahme von dieser Regel. "Wir laden am Nachmittag zu einer kleinen Feier ein. Gerade bei den etwas reiferen Frauen, die das von früher kennen, kommt das gut an", sagt Kerstin Wenzel, die ihrem Gastwirtsehemann Andreas hin und wieder helfend unter die Arme greift.
Seit August 2009 fährt das Sportlerheim unter neuer Flagge. Der Name wurde beibehalten, frischer Wind ist hingegen durch Innenausstattung und Gastronomie gefahren. Weg von der oft in den Köpfen der Leute noch herumspukenden Vorstellung, in einem Sportlerheim würden nur Gerichte wie Bockwurst und Schnitzel auf Brot die Speisekarte füllen. Hin zu Speisenvielfalt. "Nudelvariationen oder Sülze bieten wir ebenso an wie Kaninchenrollbraten, Zanderfilet und Steaks. Auf preiswert setzen wir, weil man auch an Familien mit Kindern und an Gäste denken muss, denen das Geld nicht so locker in der Tasche sitzt - die aber auch mal schön essen wollen", sagt Kerstin Wenzel.
Obwohl sich herumgesprochen hat, dass sich das Sportlerheim zu einer Speisegaststätte gemausert hat, geraten die Ursprünge des traditionsreichen Gebäudes nicht in Vergessenheit. Die Kopie eines Zeitungsberichtes von 1929 hängt eingerahmt im Gastraum. Der Text beschreibt die feierliche Grundsteinlegung am 8. Mai, lässt aber auch die Probleme erahnen, die es zuvor gegeben hatte. Erste Ideen zum Bau eines Sportlerheimes waren Anfang 1927 vom damaligen Vorsitzenden des Arbeiterturnvereins "Jahn", Bernhard Möckel, gekommen. Da der zum Zeitpunkt der Grundsteinlegung bereits verstorben war, sagte sein Nachfolger Otto Reimer auf der "einfachen und schlichten Feier": "Hart und schwer war der Kampf, ehe wir soweit kamen. Die auf den Schultern der arbeitenden Bevölkerung lastende Wirtschaftskrise hat unserem Vorhaben oftmals einen Strich durch die Rechnung gemacht." Ein Schelm, wer mögliche Parallelen zur heutigen Zeit zieht.


