Wo sich Forscher und Studenten munter raufen
Zwickau. Beim Science Slam im Studentenclub Tivoli ging es mit Worten statt mit Fäusten zur Sache. Alles im Dienste der Wissenschaft, versteht sich.
Martialische Duelle, zweimal Mann gegen Mann, im verbissenen und unerbittlichen Kampf um den Sieg. Im schummrigen Licht treten die Gladiatoren aus dem Schatten. Die Muskeln gespannt, die Brillen ein letztes Mal gerichtet. Erlaubte Waffen: eine Computer animierte Präsentation, eine Papier-Tafel und die pure Kraft der individuellen Redekunst.
Bereits zum vierten Mal fand am Dienstagabend ein Science Slam in Zwickau statt. Dabei handelt es sich um einen Wettbewerb im Vortragen, wobei die Redner eigene Forschungsergebnisse vorstellen oder ein wissenschaftliches Phänomen erläutern. Jedem Teilnehmer stehen dafür zehn Minuten Zeit zur Verfügung. Bei der Bewertung ist der wissenschaftliche Wert der Darbietung nicht unbedingt ausschlaggebend, sondern eher eine informative und unterhaltsame Darstellung des Themas. Am Ende entscheidet dann die Lautstärke des Beifalls, wer in der Gunst des Publikums am höchsten steht und schließlich zum Sieger gekürt wird.
Gut 120 Zuschauer kamen zu diesem Wettstreit ins Zwickauer Tivoli und zwängten sich dicht an dicht in den kleinen Saal des Studentenclubs, sodass die Organisatoren des Science Slam den Schlagabtausch sogar per Kamera in den Nebenraum übertrugen, damit auch wirklich jeder zusehen konnte. Von solch großem Interesse zeigte sich Stephan Kassel begeistert und ein wenig irritiert zugleich: "So gedrängelt hat sich in meinen Vorlesungen in den letzten Jahren niemand", sagte der Professor direkt vor seinem Auftritt und sorgte damit für großes Gelächter bei den Studenten.
Auf der Bühne standen sich die beiden Studenten Daniel Clauß und Martin Sterzel sowie die Dozenten der Westsächsischen Hochschule Stephan Klaus und Alexander Haentjens gegenüber. Die Vorbereitung aller Teilnehmer verlief jedoch nicht komplikationslos, da sie erst am Vortag ihre Zusage zur Mitwirkung gegeben hatten. Vorausgegangen waren Absagen mehrerer Studenten und Professoren. So arbeiteten die vier Wettstreiter ihre Beiträge erst in der Nacht zuvor aus, was der Qualität und der Originalität aber nicht schadete.
Nachdem die Kontrahenten durch Schnick-Schnack-Schnuck den Beginner ermittelt hatten, hieß es Bühne frei für die Wissenschaft. Im ersten Aufeinandertreffen siegte Sterzel mit seinem Beitrag zu intelligenten Verkehrshilfen über Clauß. Nach einer kurzen Pause, die von der Gruppe Asphaltraketen mit Musik verkürzt wurde, setzte sich Alexander Haentjens mit seiner amüsanten Schilderung eines vor Jahren in Chemnitz verhandelten Streitfalls knapp gegen Stephan Kassel durch, der ebenfalls eine sehr gelungene Präsentation ausführte.

