Neugierig und mit Kennerblick nehmen Helmut Stenker, Albrecht Damm, Rudolf Heuser und Torsten Knorr (von links) den Abzweigstein unter die Lupe.
Foto: Andreas Wohland
Zschocken: Historischer Stein kehrt an alten Platz zurück
Verschollen geglaubter steinerner Zeitzeuge aus der Ära der Postkutschen geborgen
Zschocken. Freude, aber auch ein winziger Hauch Enttäuschung lagen dieser Tage bei Rudolf Heuser eng beieinander. Der Bereichsbeauftragte der Forschungsgruppe kursächsische Postmeilensäulen für den Landkreis Zwickau war dabei, als in Zschocken ein sogenannter Abzweigstein für den früheren Postkutschenverkehr geborgen wurde. "Natürlich hatte ich heimlich gehofft, wir würden einen kompletten Stein vorfinden. Dass es letztendlich nur das Kopfstück ist, macht die Sache für uns aber nicht minder interessant", sagte er. Denn dieser Teil des Steines ist das bedeutungsvollere Relikt. Aufgrund vorhandener Zeichnungen kann der untere Teil problemlos nachgefertigt werden.
Realisiert wird das in der Werkstatt des Leubnitzer Steinbildhauermeisters Torsten Knorr. "In Anbetracht des Verwitterungsgrades werden wir wohl so um die anderthalb Wochen für die Arbeiten benötigen", sagte Knorr. Sein Mitarbeiter Lutz Baumann, selbst ein erfahrener Meister seines Faches, muss dabei unter anderem Material ersetzten, den Stein vorsichtig abschleifen und die Beschriftung erneuern. Aus dem Sandstein, aus dem der Säulenkopf besteht, wird abschließend der Sockel gefertigt. Ist alles fertig, soll der Stein so nahe wie möglich an seinem einstigen Standort zurückkehren. "Bei dem Stein handelt es sich nicht um eine typische Postmeilensäule, sondern einen Abzweigstein", sagte Rudolf Heuser. Er befand sich ursprünglich am alten Zollhaus in Oberzschocken und markierte den Abzweig in Richtung Lößnitz für die aus Lichtenstein kommenden Postkutschen.
Das Problem, vor dem Heuser jetzt - wie schon viele Male zuvor - steht: Er braucht Geld für die Restaurierung des Abzweigsteines. "Erfahrungsgemäß liegen die Kosten bei etwa 3000 Euro. Die Mittel können wir nur über Sponsoren oder andere Quellen aufbringen."
Zu seiner Freude zieht bei solch ehrgeizigen Projekten auch der Landkreis mit. Helmut Stenker, Straßenmeister der Straßenmeisterei Zwickau: "Es handelt sich um historische Steine, die irgendwie zur Straße gehören und nicht in einem Garten 'verschwinden' sollten. Jeder Fund eines solchen Zeitzeugen ist auch für uns ein tolles Ereignis." Wie so oft hatte auch beim Wiederauftauchen des Zschockener Abzweigsteines der Zufall kräftig mitgemischt.
Nachdem Dachdeckermeister Albrecht Damm vor einigen Jahren sein Grundstück gekauft hatte, musste er feststellen, dass die Scheune nach einem Regen unter Wasserstand stand. Der Grund: Als an der Gebäuderückseite eine Hocheinfahrt aufgeschüttet wurde, hatte man einfach nur ein paar Holzpfosten vor die unteren Fenster gelegt. Die waren im Laufe der Jahre verwittert. "Um das Wasser vom Haus wegzubekommen, blieb mir nur, die vier Meter Erdreich der Einfahrt abzutragen. Dabei stießen wir auf den Stein. Zum Wegwerfen erschien er mir zu schade, also habe ich ihn erstmal zur Seite gelegt", sagte Damm.
In einem Schreiben des Landkreises aus dem Jahr 2001 wurde ihm fälschlicherweise mitgeteilt, dass es sich vermutlich um einen Halbmeilenstein handle. Dann wurde es ruhig um das Fundstück. Erst als man in Hartenstein am Markt den restaurierten Ganzmeilenstein aufstellte, setzte sich seine Frau mit Rudolf Heuser in Verbindung. So kam die Sache ins Rollen. Der Dachdeckermeister trennt sich übrigens gerne von dem Stein. "Es ist doch besser, wenn jeder was davon hat und sich die Leute an so einem Stück Regionalgeschichte erfreuen können", sagte er.

