Seit Jahren schauen die Anwohner der ehemaligen Aktivist-Strickwarenfabriken auf immer mehr verfallende Gebäude. Auf dem Gelände hat es auch schon mehrfach gebrannt.
Foto: Ralph Köhler
Zwickau: Keine Baumaßnahmen auf dem Gelände der Aktivist-Brache geplant
Ob der Schandfleck im kommenden Jahr verschwindet, bleibt ungewiss
Zwickau. Der Investor ist am Zug, sagt die Stadt. Doch der Investor zieht nicht. Seit 2009 ist die Rede davon, dass auf dem Gelände der ehemaligen Aktivist-Strickwarenfabriken Ein- bis Dreifamilienhäuser entstehen. Seit Jahren verlangt die Stadt, dass besagter Investor sein Konzept nachbessert. Seitdem wartet die Stadt.
Auch die Anwohner warten darauf, dass sich etwas tut. Nach mehreren Bränden sorgen sie sich um ihre Sicherheit. Und um die ihrer Kinder, denn die halb verfallenen Häuser bieten einen gefährlichen Abenteuerspielplatz. Von neuen Häusern ist die Rede, die dort im Grünen entstehen sollen. Allerdings hat die Stadt vom Investor verlangt, einen Teil der Fläche zurückzubehalten. Dort sollen Ausgleichsflächen entstehen - sollen also Bäume gepflanzt werden können, wenn an anderer Stelle welche gefällt werden. Das ist eine Forderung des Landratsamtes.
Eine Frist ist dem Investor nicht gesetzt worden. Von konkreten Absichten wisse man bislang nichts, teilte Rathaussprecherin Heike Reinke mit. Entsprechend hält die Verwaltung auch kein Geld für einen Abriss der Brache vor. Mit anderen Worten: Selbst, wenn es in nächster Zeit ein genehmigungsfähiges Konzept gäbe, könnte es erst losgehen, wenn im Haushaltsplan für das kommende Jahr eine entsprechende Summe festgeschrieben ist. Das wiederum müsste der Stadtrat absegnen, sagt Oberbürgermeisterin Pia Findeiß (SPD). Immerhin gehe der Abriss zulasten anderer dringend notwendiger Maßnahmen, antwortete sie auf eine entsprechende Anfrage von CDU-Stadtrat Friedrich Hähner-Springmühl. Ohne Beschluss, sagt Findeiß weiter, genehmige die Landesdirektion keine Fördermittel.
Die allerdings hätte die Stadt trotz Ratsbeschluss nicht sicher, sagt die Rathaus-Chefin. Denn das Förderprogramm ist überzeichnet. Allenfalls könnte Zwickau nachrücken, wenn andere Städte bereits genehmigtes Geld nicht in Anspruch nehmen. Im Übrigen lässt sich derzeit gar nicht sagen, um wie viel Geld es überhaupt geht. "Für Planungsleistungen zu veranschlagende Kosten liegen nicht vor", sagt Sprecherin Reinke.
Sollte sich das Vorhaben, auf der Brache Häuser zu errichten, zerschlagen, hat die Verwaltung keinen Plan B in der Hinterhand. Weitere Investoren seien derzeit nicht bekannt. Allerdings versichert die Oberbürgermeisterin, dass die Stadt in diesem Fall selbst einen Teil des Geländes renaturieren will, um daraus die geforderte Ausgleichsfläche zu schaffen. Die restliche Fläche möchte sie dann anderen Investoren zur Verfügung stellen. Bevorzugt sind dabei neben Wohnhäusern Standorte für Gewerbe, das allerdings die anderen Anwohner nicht stören darf. Voraussetzung auch dafür: Fördergeld vom Land.

