Frisch Verliebte haben sich vom Liebesschlösser-Verbot nicht beeindrucken lassen und ketteten ihren Liebesbeweis an die Paradiesbrücke.
Foto: Andreas Wohland
Zwickau: Liebesschlösser hängen wieder
Trotz Verbots und zwischenzeitlicher Radikalkur schmücken Symbole wieder Paradiesbrücke
Zwickau. Sie sind rot oder glänzend golden. Klein, etwas größer oder gar winzig. Einige sind mit Gravuren verziert. So steht auf einem hochglanz-polierten Schloss, dass Sophie und Sven ein Paar sind. Auf anderen Schlössern sind Initialen verewigt oder das Datum, wann die Liebesbeziehung ihren Anfang nahm. Was all die Schlösser gemeinsam haben? Sie hängen am Geländer der Paradiesbrücke in Zwickau.
Der moderne Brauch ist der Stadt jedoch ein Dorn im Auge. Bereits im Herbst vergangenen Jahres erteilte sie ein Verbot für die Schlösser und ließ diese durch Mitarbeiter des Tiefbauamts per Bolzenschneider entfernen. Weil die Paradiesbrücke ein technisches Denkmal ist und aufwändig saniert wurde, sei nicht zu akzeptieren, dass dort Schlösser ans Geländer gehängt werden. Das würde den Rostschutz beeinträchtigen, hieß es damals. Nun ist die Diskussion wieder aktuell. Die Liebesschlösser, auf beiden Seiten insgesamt zehn Stück, haben in den vergangenen Wochen die Brücke zurückerobert. Doch die Stadt bleibt bei ihrem konsequenten Verbot. Auf Nachfrage teilte Rathaussprecherin Heike Reinke mit, dass sich auch in Zukunft nichts daran ändert.
In Köln, Riga oder Rom sind die Schlösser eine Touristenattraktion. In Zwickau sind sie ein Ärgernis. Dabei ist die Botschaft der Schlösser doch höchst romantisch. Ein Liebespaar schwört sich ewige Treue, indem es ein Vorhängeschloss an einer Brücke anbringt und den dazugehörigen Schlüssel in den Fluss unter der Brücke wirft. Meist suchen sich die Verliebten dafür eine zentrale und bekannte Brücke aus. Seit Jahren wird daher über die Erlaubnis zum Anbringen der Liebesschlösser in den Städten kontrovers diskutiert. In Berlin gilt ein generelles Verbot für die Schlösser und in Rom wurden sie 2007 kurzzeitig verboten, nachdem eine Laterne unter dem Gewicht der Schlösser zusammengebrochen war.
Von solchen Ausmaßen ist Zwickau noch weit entfernt. Dennoch zeigen sich auch Passanten in ihren Meinungen über die Schlösser gespalten. "Ich finde das furchtbar. Wenn hier jedes verliebte Paar so ein Schloss anbringt, sieht die Brücke doch einfach nicht mehr schön aus", sagt Heidi Müller. Eine ganz andere Ansicht dazu hat Uwe Röske: "Ich kenne das so aus jeder anderen Stadt. Die Schlösser stören keinen und stehen für einen schönen Brauch. Das Verbot finde ich affig." In den nächsten Tagen werden die Liebesschlösser an der Paradiesbrücke übrigens wieder verschwunden sein. Die Stadt rückt an und wird sie umgehend beseitigen.

