Hakki Gönce (26) liegt derzeit auf der HNO-Station im Heinrich-Braun-Klinikum, wo seine schweren Verletzungen behandelt werden. Heute entscheidet sich, ob er operiert werden muss.
Foto: Andreas Wohland
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Nach Überfall auf zwei Ausländer spricht eins der Opfer
Zwickau. Hakki Gönce weiß noch, dass er einen Schlag auf den Kopf bekam und zu Boden ging. Als er wieder zu sich kam, lag der 26-jährige Türke in einem Krankenhausbett auf der Intensivstation des Heinrich-Braun-Klinikums. Mit gebrochenem Jochbein, das rechte Auge zugeschwollen und blutunterlaufen, mit einer Platzwunde am Kopf und Prellungen am ganzen Körper. Am Donnerstag wird sich entscheiden, ob das kaputte Auge operiert werden muss. Gönce sieht doppelt, und die Ärzte, sagt er, meinen, es bestehe die Gefahr, dass er sein Augenlicht verliert.
Was genau sich in der Nacht zum Sonntag gegen 1 Uhr vor dem Tanzlokal an der Bosestraße zugetragen hat, versuchen die Beamten des Landeskriminalamtes (LKA) derzeit zu ermitteln. "Wir gehen weiterhin von einem fremdenfeindlichen Hintergrund aus", bekräftigte LKA-Sprecher Tom Bernhardt am Mittwoch auf Anfrage. Ermittlungserfolge gebe es bislang nicht. Keinen Verdacht, keine Festnahmen. Zum Vorwurf, dass es ungewöhnlich lange gedauert hat, ehe Polizei und Rettungskräfte am Tatort eintrafen, konnte der LKA-Mann nichts sagen. Das zweite Opfer der Schlägerei, ein 46-jähriger Iraner, hat das Krankenhaus bereits am Sonntag wieder verlassen.
Hakki Gönce sagt, es seien 10 bis 20 junge Männer gewesen, Deutsche, die ihn als Kanake beschimpft und angepöbelt hätten. Und zwar bereits am Nachmittag, als Gönce mit Freunden am Schlobigplatz Fußball gespielt hatte. In der Nacht habe er dann im Tanzcafé einen Freund treffen wollen, und als er mit dem das Lokal verließ, hätten die Schläger bereits auf ihn gewartet und ihn eingekreist. Der Freund konnte flüchten, Hakki Gönce wurde zu Boden geschlagen. Seine Verletzungen lassen darauf schließen, dass ihm am Boden liegend mit Füßen ins Gesicht getreten wurde. Der Türke lebt seit 2006 in Deutschland, zuerst in Werdau und seit zwei Jahren in Zwickau. Er arbeitet als Betonbauer auf Montage - zuletzt auf einer Baustelle in Belgien. Fremdenfeindlichkeit oder Rassismus seien ihm bislang in Deutschland nicht begegnet.
Oberbürgermeisterin Pia Findeiß (SPD) hat Hakki Gönce am Dienstag im Heinrich-Braun-Klinikum besucht und sich für die Attacke entschuldigt. Der Türke hat sich darüber gefreut, sagt er. Auch Personal aus dem Tanzlokal war zu Besuch. Am Mittwoch wurde Gönce nicht nur von der "Freien Presse" interviewt, sondern auch von einem Journalisten der größten türkischen Tageszeitung Hürriyet. Den hat Hakki Gönces Bruder mitgebracht, der, nachdem er von der Schlägerei erfuhr, am Montag aus der Türkei zurück nach Zwickau gereist ist.


12:30 Uhr
BertaH: Zitat:"Oberbürgermeisterin Pia Findeiß (SPD) hat Hakki Gönce am Dienstag im Heinrich-Braun-Klinikum besucht und sich für die Attacke entschuldigt."
Als ich das las war ich entsetzt. Als OB kann ich mich doch nicht für Taten entschuldigen die andere begannen haben?! Ich finde es hat einen sehr faden Beigeschmack. Macht das die OB nun bei allen Opfern von Straftaten in Zwickau? Oder sind die anderen Opfer nur zweiter Klasse? Rassismus, sollte es das gewesen sein, ist schlimm genug. Man darf dieser Gruppe die das getan hat keine Plattform geben. Einen Menschen zu verletzten ist in jedem Fall falsch und muss bestraft werden, jedoch als OB dahin zu gehen und sich zu entschuldigen halte ich für ein absolut falsches Signal!
14:35 Uhr
klapp: Ein halbwegs anständiger und gebildeter Mensch weiss, dass man sich nicht selbst entschuldigen kann. Das wäre sehr anmaßend. Entschuldigen, also von jemandem die Schuld (ab)nehmen, kann immer nur der Geschädigte.
10:35 Uhr
tgrf: Es wäre schön, wenn wir uns endlich auf den Terminus "Rassismus" einigen könnten, weil die Beschreibung "Fremdenfeindlichkeit" das Opfer gliech noch einmal ausgrenzt. Es ist dabei übrigens vollkommen egal, ob das Opfer fremd oder bekannt oder einheimisch oder was auch immer ist - entscheidend ist, dass die Täter aus niedersten ideologischen Motiven Gewalt ausüben.