Tribünen Mitarbeiter der Zwickauer Gerüstbaufirma Bindig haben im Juni 2011 die Tribünen im Westsachsenstadion demontiert.

Foto: Andreas Wohland/Archiv

Zwickau: Stahl-Tribünen geben Rätsel auf

FSV Zwickau bekommt Geld von der Stadt, um im "Sojus" neue Tribünen aufzustellen - Doch was ist mit den alten aus dem Westsachsenstadion passiert?

Zwickau. Sie waren der stählerne Klangteppich des Westsachsenstadions: Die Zuschauertribünen aus Stahlgerüst-Elementen, auf denen die Fans ihre Mannschaft nach vorn trampelten. 5000 Zuschauer hatten einst auf diesen provisorischen Rängen Platz. Die Hälfte dieser Gerüste ist im vergangenen Sommer ins Sportforum Sojus umgesetzt worden, wo der FSV Zwickau seit einem Jahr spielt. Für die andere Hälfte interessiert sich jetzt Stadtrat Tristan Drechsel (Demokratische Allianz).

Als der Finanzausschuss am Dienstagnachmittag über weitere 250.000 Euro Zuschuss für den FSV Zwickau diskutierte, damit der Fußballverein das Sportforum in Eckersbach für die Regionalliga aufrüsten kann, fragte Drechsel, was eigentlich mit den überzähligen Gerüstteilen passiert ist. Der Hintergrund der Frage ist rasch erklärt: Um die Auflagen des Nordostdeutschen Fußballverbandes zu erfüllen, muss der FSV vor allem die Zuschauerkapazität im Sportforum Sojus von 2500 auf 3500 erhöhen. Dafür sollen neue Gerüst-Tribünen angeschafft und montiert werden. Kosten laut Kalkulation: 185.000 Euro. Dieses Geld könnte eingespart werden, hat Tristan Drechsel ausgerechnet, wenn anstelle neuer Tribünen die überzähligen Gerüstteile aus dem Westsachsenstadion verwendet werden können. "Wo befinden sich denn die Tribünen überhaupt?" fragte der Stadtrat Sportamtsleiter Uwe Findeiß. Der sagte, dass die Gerüstteile im Bauhof in Pöhlau eingelagert wurden. Aber die Teile seien so kaputt, dass sie nicht noch einmal verwendet werden können. Drechsel wollte wissen, was denn genau kaputt ist an diesen massiven, verzinkten Stahlteilen. Findeiß blieb eine exakte Antwort schuldig. Er sagte lediglich, dass die alten Gerüstteile im Stadion nicht mehr repariert, sondern gleich gesperrt wurden. Man erwäge jetzt, die kaputten Gerüste kleineren Fußballvereinen zur Verfügung zu stellen, die sich daraus kleinere Tribünen montieren können. Die Nachfrage sei da.

Allerdings werden die eingelagerten Stahlteile nun zunächst noch einmal geprüft, ob sie nicht doch im Sojus verwendet werden können. Das sicherte Finanzbürgermeister Bernd Meyer (Linke) zu, der damit die Diskussion beendete.

Der Finanzausschuss bewilligte schließlich den Zuschuss für den FSV mehrheitlich. Im März 2011 waren schon einmal 250.000 Euro geflossen. Und sollte der FSV in die dritte Liga aufsteigen, müsste die Stadt noch viel mehr Geld in das Eckersbacher Sportforum investieren. Angesichts dieser Aussichten fragte der Vorsitzende der Fraktion FDP/Freie Wähler Carsten Schick, ob es nicht möglich und sinnvoll sei, doch das Westsachsenstadion zu einem Regionalligastadion umzubauen und im Aufstiegsfall aufzurüsten. "Nein" antwortet Finanzbürgermeister Bernd Meyer knapp.

 
erschienen am 27.06.2012 ( Von Matthias Behrend )
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