Thomas Synofzik hat am Dienstag in der "Neuen Welt" den neuen Steinway-Flügel vorgestellt.
Foto: Ralph Köhler
Zwickau: Steinway-Flügel in der "Neuen Welt" vorgestellt
Robert-Schumann-Wettbewerb präsentiert sich mit neuem Klang
Zwickau. Schwarzer, hoch glänzender Lack, schnittige Form, ausgeklügelte Mechanik, das Markenlogo in goldenen Lettern aufgebracht, 2,74 Meter lang und 129.590 Euro teuer: Was sich liest wie die Beschreibung eines Luxuskleinstwagen, sind die Daten eines Musikinstruments, das den Robert-Schumann-Wettbewerb weiter aufwerten wird. Mit dem neu gekauften Steinway-Flügel werden Stadt und Konservatorium dem selbst gestellten Anspruch gerecht. Das jedenfalls war Tenor der gestrigen Vorstellungsrunde für dieses Instrument.
Knapp 130.000 Euro: In den Ohren von Thomas Synofzik klingt das keinesfalls nach zu viel Geld. Der Leiter des Robert-Schumann-Hauses und Vorsitzender des Wettbewerbes war einer von vier Musikexperten, die am 21. Mai das Instrument im deutschen Firmensitz von Steinway & Sons in Ohrenschein genommen haben. Drei Stunden dauerte es, ehe sie aus sechs baugleichen Steinways das ideale Instrument für Zwickau herausgehört hatten. "Ich war selbst erstaunt, dass es solche Wahnsinnsunterschiede gibt", sagte Synofzik am Dienstag. Der Flügel der Wahl liefere einen lebendigen, charakteristischen Klang - ideal für die Werke Schumanns. "Er hat sehr vielstimmig geschrieben, das kommt gut zur Geltung."
88 Tasten hat der Flügel - wie jeder andere auch. Der Wert versteckt sich dahinter. Synofzik erklärt, wie (fast) jedes der 88 Hämmerchen exakt mehrere Saiten anschlägt. Wie präzise die eingebauten Dämpfer funktionieren müssen, damit der angeschlagene Ton auch wieder sanft verklingt. All diese Feinmechanik ist eingebettet in einen gusseisernen Rahmen. "Eine Erfindung der Firma Steinway. Er sorgt dafür, dass die Stimmung möglichst lange hält." Wobei lang relativ ist. Während des Wettbewerbs müsse der Flügel trotzdem täglich gestimmt werden, so Synofzik. "So sehr wird er beansprucht." Jeweils eine Stunde dauert es, sämtliche Töne wieder ins Lot zu bringen. Ebenfalls ein Steinway-Patent ist das dritte Pedal. Es dient dazu, einen einzelnen angeschlagenen Ton zu halten, während die anderen wie gewohnt gedämpft werden.
Der Flügel - Thomas Synofzik deutete es bereits an - wird also gleich von Anfang an heftig beansprucht. Und das gute Stück geht gleich durch viele Hände. In den Fächern Klavier und Gesang haben sich 223 Wettbewerbsteilnehmer aus 32 Ländern gemeldet. "Es ist das erste Mal, dass wir Vertreter aus allen Erdteilen dabei haben", sagte Oberbürgermeisterin Pia Findeiß.
Und es ist das erste Mal seit Jahren, dass Zwickau ein eigenes, sehr gutes Instrument anbieten kann. Der Steinway, den die Stadt in den 60er-Jahren in Hamburg gekauft hatte, genügt den Ansprüchen des Wettbewerbs schon lange nicht mehr. Deswegen mussten sich die Veranstalter jahrelang einen Flügel leihen. Auch das kostet Geld - das war wohl einer der Gründe, warum der städtische Finanzausschuss dem Kauf zugestimmt hat. Der andere war, dass sich die Kosten für die Stadt in Grenzen hielten. Pia Findeiß. "Wir hatten hier eine gute Verbindung zwischen Sponsoren und Geld der Stadt." Konkret steuerte Zwickau 14.590 Euro zur Gesamtsumme bei.
Der alte Flügel ist derweil ins Rathaus gebracht worden. Dort dient er den jungen Pianisten als Übungsinstrument, außerdem spielt Jurymitglied Balázs Szokolay am Sonntag ein Konzert auf diesem Flügel. Der Eintritt zu dieser musikalischen Stunde ist frei.

