Das RAW-Gelände im August 2009. Damals ging man noch davon aus, dass hier ein Autoterminal entsteht. Inzwischen bietet die Stadt das Areal als Gefängnis-Standort an.
Foto: Marcus Richter
Zwickau bewirbt sich um Länder-Knast
Oberbürgermeisterin bringt RAW-Gelände als Standort für geplantes Sachsen-Thüringen-Gefängnis ins Spiel - Abschied vom Autoterminal?
Zwickau. Zwickau. Die Stadt Zwickau glaubt offenbar nicht mehr so recht an den Bau eines Autoterminals auf dem RAW-Gelände in Marienthal. Oberbürgermeisterin Pia Findeiß (SPD) hat das Areal jedenfalls als möglichen Standort für das von Sachsen und Thüringen geplante gemeinsame Großgefängnis ins Gespräch gebracht. Anfang des Jahres hatten die Justizminister beider Länder vereinbart, den Bau einer gemeinsamen Justizvollzugsanstalt (JVA) von einer Arbeitsgruppe prüfen zu lassen. Fest steht, dass der Groß-Knast nahe der gemeinsamen Ländergrenze gebaut werden und Platz für bis zu 900 Gefangene bieten soll. Zum Vergleich: Das jetzige Gefängnis an der Humboldtstraße in Zwickau hat Platz für maximal 165 Insassen.
Anfang April hatte die Oberbürgermeisterin die Frage, ob sich Zwickau um den geplanten Groß-Knast beworben hat, noch verneint. Inzwischen aber gibt es eine Bewerbung der Stadt. Die OB geht davon aus, dass mit einem Gefängnis-Neubau die JVA an der Humboldtstraße geschlossen wird. Deshalb sieht sie die Bewerbung um den Neubau als dringend erforderlich an.
Hat die Stadt das Autoterminal-Projekt abgeschrieben? Die Oberbürgermeisterin hält offenkundig Ausschau nach alternativen Nutzungsmöglichkeiten für das etwa 46Hektar große, teilweise mit Altlasten verseuchte Areal, das die Stadt für 76.001 Euro der Deutschen Bahn abgekauft hat. Dagegen glaubt Wirtschaftsförderer Carsten Krauß weiter daran, dass die Bremer BLG Logistic Group auf dem RAW-Gelände das geplante Autoterminal baut. Von einem Rückzug könne keine Rede sein, sagt Krauß. Auch BLG-Sprecher Hartmut Schwertfeger wollte zuletzt nichts von einem Rückzug wissen, sagte aber, es gebe keinen Grund zur Eile. Krauß rechnet für 2013 mit dem Bau des Autoterminals - vielleicht auch eher, da sich die Automobilindustrie schneller als gedacht vom Einbruch erholt und auch bei BLG die Absatzzahlen wieder nach oben schnellen. Außerdem gibt es Krauß zufolge derzeit Verhandlungen mit weiteren Interessenten aus der Automobilbranche.
Knapp 700.000 Euro hat die Stadt bislang für Planungsleistungen bezahlt. 75.000 Euro waren im aktuellen Haushalt vorgesehen, um die Planungen für künftige Industrieansiedlungen fortsetzen zu können. Doch das Geld wurde gestrichen. Es wird also nicht weiter geplant. 66.000 Euro sind Krauß zufolge eingeplant, um das Gelände einzäunen zu können, Wildwuchs zu beseitigen und eventuell mit der Beräumung zu beginnen. Die Kosten für eine komplette Sanierung waren zuletzt auf rund 44 Millionen Euro geschätzt worden. Fördermittel dafür gibt es frühestens 2013, schätzt Wirtschaftsförderer Krauß.


