Bis hierher - und keinen Handschlag weiter: Aus seinem derzeitigen Zustand wird das Stadion bis zum kommenden Frühjahr befreit. Dann taugt es zwar wieder als Sportstätte, nicht aber für höherklassigen Fußball.
Foto: Marcus Richter
Zwickau stoppt Stadionbau vollständig
Eines der aufsehenerregendsten Projekte in der Stadt ist gestorben
Sie hätte einen 30-Millionen-Euro-Beschlussvorschlag nicht unterschrieben: So begründete Oberbürgermeisterin Pia Findeiß (SPD) am Montag ihre Haltung zum endgültigen Baustopp am Westsachsenstadion. Und damit steht sie nicht allein da: In einer siebenstündigen Krisensitzung waren am Freitag Verwaltungsspitze, Planer, Projektsteuerer, Sachverständige und die vier Fraktionsvorsitzenden aus dem Stadtrat zu dem Ergebnis gekommen, dass die geplante Sanierung zu teuer wird. Von 27,5 bis 30 Millionen Euro war zuletzt die Rede.
Dabei hatte man vor der Sommerpause alle Beteiligten nochmal an die Rechenschieber geschickt, um die damals gehandelten 22 Millionen Euro Baukosten schlanker zu rechnen. Das misslang. Unter anderem deshalb, weil die Sicherung des Baugrundes viel aufwändiger wird als angenommen. Aber auch, weil sich mit immer genauerer Planung gezeigt habe, dass der Denkmalschutz die Arbeiten verteuert, begründete die Rathauschefin die hohen Kosten, die am Ende das Doppelte der ursprünglich veranschlagten Summe betrugen. Schuldzuweisungen indes, so beteuerte Findeiß, habe es während der Krisensitzung nicht gegeben -und wolle sie auch nun nicht aussprechen.
2,7 Millionen Euro hat die Stadt nach Auskunft von Finanzbürgermeister Bernd Meyer (Linke) bereits ins Stadion gesteckt. Davon waren 1,7 Millionen Euro Förderung. Für weitere zwei Millionen Euro - die Hälfte davon vom Land - soll das Stadion soweit wieder hergestellt werden, dass es als Sportstätte funktioniert. Für Rodelwettkämpfe, niederklassigen Fußball, aber auch für Konzerte soll es taugen. Damit wird die Stadt immer noch den Anforderungen des städtebaulichen Vertrages gerecht, der die Grundlage für die Förderung ist. Meyer geht unterdessen nicht davon aus, dass Fördermittel zurückgefordert werden.
Solange es keine Fußballmannschaft gibt, die oberhalb der Regionalliga spielt, ist damit für alle gesorgt. Der FSV Zwickau muss sich also auf lange Sicht in Eckersbach einrichten. Dennoch betonte Findeiß, dass das im Sommer regionalligatauglich ausgebaute Sportforum Sojus 31 nach wie vor nur eine Zwischenlösung ist. "Wir werden dem Stadtrat 2012 Vorschläge unterbreiten, an anderer Stelle ein neues Stadion zu bauen." Ort, Zeit und Finanzierung stehen bislang nicht fest. Nur so viel: Es gibt zurzeit kein Förderprogramm, auf das sich die Stadt stützen könnte. Der Neubau soll laut Meyer maximal 20 Millionen Euro kosten.
Um diesen Plänen eine Grundlage zu geben, muss allerdings noch der Stadtrat darüber abstimmen. Die Bürgervertreter sollen im Oktober einen geänderten Vorhabensbeschluss fassen und damit den Umbau endgültig zu den Akten legen.
Nico Quade.Foto: Markus Richter
Der FSV Zwickau wird so schnell nicht wieder im Westsachsenstadion spielen. Sara Thiel sprach mit Trainer Nico Quade über die neue Situation.
Freie Presse: Das Stadion wird nicht gebaut - wie haben Sie das aufgenommen?
Nico Quade: Gar nicht. Ich war jetzt zwei Tage nicht da und höre jetzt das erste Wort davon.
Freie Presse: Ist die Aussicht, dass der FSV Zwickau nie wieder zu höherklassigen Punktspielen im Westsachsenstadion antreten wird, eine traurige?
Nico Quade: Für mich ist das kein Problem. Meine Aufgabe heißt, die Mannschaft in die Regionalliga zu führen. Da spielt es keine Rolle, wo wir spielen.
Freie Presse: Das Sportforum Sojus 31 in Eckersbach ist also auch als längerfristige Spielstätte in Ordnung?
Nico Quade: Wir haben uns der Realität gestellt - und die heißt Sojus 31. Dort fühlen wir uns als Mannschaft sehr wohl,. Wir haben dort einmal mit und einmal ohne Zuschauer gespielt - das passt schon.
Freie Presse: Sie würden sich aber auch nicht wehren, wenn eines Tages ein ganz neues Stadion an einem ganz neuen Ort gebaut würde.
Nico Quade: Natürlich nicht. Jeder Verein würde sich über ein neues Stadion freuen. Aber das liegt nicht in unserer Entscheidung. Das müssen schon die Verantwortlichen in der Stadt alleine machen.
Freie Presse: Das neue Stadion soll drittligatauglich sein. In welcher Zeit könnte die Mannschaft das realistischerweise erreichen?
Nico Quade: So, wie ich sie jetzt erlebe, wären fünf Jahre realistisch. Allerdings sollte man in dieser Zeit auch richtig arbeiten können.


11:58 Uhr
gelöschter Nutzer: Zunächst erscheint es ja sinnvoll die Kosten im Auge zu behalten. Nur fragt sich, wieso keiner gewusst haben will, dass die Halde ein schwieriger Baugrund ist. Das ist seit Jahren bekannt. Neue und schwere Tribünen erfordern eine ähnlich komplexe Verankerung wie seinerzeit beim Umbau des Zentralstadions in Leipzig. Hier sind auch die Kosten nachträglich explodiert. Zum anderen ist es nicht nachvollziehbar, dass ein schmal gerechneter Umbau auf der Halde, der traditionellen Zwickauer Heimat, keine Chance haben soll. Selbst ein 2.Liga-taugliches Stadion erfordert derzeit lediglich 3000 Sitzplätze. Ein Vorbild könnte die Alte Försterei in Berlin sein: Hier wurden lediglich die Alten Traversen renoviert und ausgetauscht, sowie ein Leichtbaudach installiert. Neue und schwere Tribünen konnten so kostengünstig umgangen werden. In Berlin gibt es dabei auch nur die vom DFB/DFL geforderten 3000 Sitzplätze, sowie 15000 Stehplätze. Der ganze Umbau hat lediglich 9 Mio EUR gekostet und die Fans haben tatkräftig dabei geholfen. Warum soll so etwas nicht auch in Zwickau möglich sein, das Ergebnis wäre, eine der traditionsreichsten Arenen in Deutschland zu erhalten, die auch für den Profifußball bis Liga 2 geeignet ist. Denn der seelenlosen Neubauten gibt es doch nun wirklich schon genug.
23:29 Uhr
klapp: 1. richtige entscheidung
2. es ist beeindruckend, wie hier alle beteiligten die dicke decke des schweigens über sich ziehen
3. eine tiefergehende recherche durch die journalisten wäre sehr wünschenswert. der bericht ist so schlecht, das ich der presse absprache mit der stadt zwickau bei der vorliegenden berichterstattung unterstelle.
4. mahnung an die stadträte: wo sind ihre stellungnahmen? sind sie so abhängig von der städtischen regierung? eine schande!
5. die bewohner dieser stadt scheint dieses bauvorhaben nicht zu interessieren. traurig.
6. dann baut doch ein neues stadion! ich habe da ein passendes grundstück preisgünstig zu verpachten!
09:18 Uhr
Luzifer: man kommt aus dem staunen nicht mehr heraus. Was für eine Provinzposse. Und wieder werden alle für dumm verkauft oder soll man lieber annehmen das vielleicht alle was den dummen verkaufen... Gutachter, Projektentwickler, Bauplaner... sind zumindest nicht die dummen. Sie bekommen ihr Geld. Nur die Stadt kein Stadion, der Verein keine Bleibe. Muss man als Zwickauer doch noch Aue Fan werden? In keinem Unternehmen läuft eine Fiannazplanung wie in der öffentlichen Hand, wieso kann man nicht im Vorfeld rechnen? Wieso will keiner Verantwortung übernehmen und ruht sich immer auf den Aussagen der anderen aus? Wieso lassen sich die Bürger der Stadt das gefallen?