Friedhofsmeister Alexander Parthy (links) zeigte den Besuchern auch das Kolumbarium, ein Bauwerk, das der Aufbewahrung von Urnen dient, sich in Zwickau aber nie richtig durchgesetzt hat.
Friedhofsmeister Alexander Parthy (links) zeigte den Besuchern auch das Kolumbarium, ein Bauwerk, das der Aufbewahrung von Urnen dient, sich in Zwickau aber nie richtig durchgesetzt hat.

Foto: Andreas Wohland

Zwickauer Friedhof will Berührungsängste rund um den Tod und die Trauer abbauen

Garten- und Friedhofsamt organisiert Tag des Friedhofs

Zwickau. Im Mittelpunkt stand das Motto "Friedhofskultur im Wandel der Zeit". Seit der ersten Bestattung im Jahre 1865 auf dem Hauptfriedhof ist die Gräbergestaltung einem stetigen Wandel unterzogen. "Modische, religiöse und weltanschauliche Trends sind dafür ausschlaggebend", sagte Jörg Voigtsberger, Leiter des Garten- und Friedhofsamts.

Bei der Führung von Friedhofsmeister Alexander Parthy über das 14,5 Hektar großen Areal an der Crimmitschauer Straße konnten sich die Besucher auf eine historische Zeitreise begeben und die verschiedenen Gräberarten begutachten. Dabei erhielten sie eine neue Sicht auf den Friedhof, fernab von Trauer und Negativität. "Unser Friedhof ist auch ein großer und wunderschöner Park", betonte Parthy. In strahlendem Sonnenschein und bei Vogelgezwitscher erschien der Friedhof tatsächlich in einem frischen Licht. "Darauf haben wir gesetzt und den Friedhofstag, der eigentlich im Herbst stattfindet, im Frühling veranstaltet. Die in den vergangenen Jahren stetig gewachsene Besucherresonanz bestätigt uns darin", sagte Voigtsberger. Durch besondere Angebote soll außerdem die Furcht vor dem Friedhof bei den jüngeren Besuchern genommen werden. "Seit einigen Jahren haben wir einen Bienenstock auf dem Friedhof. Ein Imker kümmert sich darum, und man kann Schauwaben betrachten. Damit wollen wir auch einen Anreiz für Kinder schaffen, um den Friedhof für sie nicht zu einem gänzlich tristen Ort zu machen", sagte Parthy.

Die Teilnehmer des Rundgangs über die Anlage und anschließend durch die Räume des Krematoriums waren aber meist bereits im Rentenalter. Für sie hat der Friedhofstag ganz pragmatische Gründe. "Man ist nun einmal in dem Alter, in dem man sich Gedanken um die eigene Grabstätte und auch um den geeigneten Friedhof machen muss. Deshalb bin ich sehr an den Führungen interessiert", sagte Helga Topel ohne Wehmut. So stellten die Besucher Fragen nach der Dauer der Ruhezeiten und der Haltbarkeit der Urnen. "20 Jahre Ruhefrist haben die Verstorbenen. So lang müssen die Gräber auch gepflegt werden. Die Urnen haben eine spezielle Legierung, und zersetzen sich nach acht bis zwölf Jahren", antwortete Parthy.

Die Entwicklung geht eindeutig in Richtung Gemeinschaftsgrab mit persönlicher Gedenktafel, an der Name und Lebensdaten vermerkt werden. "Dies ist keine Frage der Kosten", sagte Voigtsberger, "sondern die fehlende Bereitschaft zur Grabpflege durch die Hinterbliebenen. Die Angehörigen möchten gern eine Stätte zur persönlichen Trauer, aber die Grabbepflanzung möchten sie nicht übernehmen."

 
erschienen am 10.06.2012 ( Von Marcus Wellnhofer )
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