Wolfgang Ullmann und Robby List, Chef in der Keramikwerkstatt Wolfgang Ullmann (links) und Robby List, Chef in der Keramikwerkstatt, bieten ihre Produkte auch im Internet an.

Foto: Andreas Wohland

Zwickauer Lukaswerkstatt versendet Keramik in alle Welt

Traditionelles Handwerk geht neue Vertriebswege dank Onlineshop

Zwickau. In der Planitzer Lukaswerkstatt geschieht tatsächlich alles in Handarbeit. Nicht nur die meist farbenfrohen Keramikarbeiten entstehen ohne das Zutun von Maschinen. Selbst hinter dem Online-Versand verbirgt sich - so paradox das klingen mag - kein Rechenprogramm. "Da geht tatsächlich ein Mensch los, und packt die Sachen ein", sagt Produktionsleiter Wolfgang Ullmann.

Aus einer Bestellung wird mehr

Trotzdem hat sich die Behindertenwerkstatt mit ihrem Angebot über das Internet eine zeitgemäße Vertriebsmethode ins Haus geholt. Die macht die Zwickauer Keramikarbeiten längst nicht nur in Westsachsen bekannt. "Wir staunen manchmal selbst, woher die Bestellungen kommen. Und fragen uns, wie die Kunden zu uns gefunden haben", sagt Birgit Süß, die für den Einkauf zuständig ist. Auch wenn Ullmann den Laden im Internet als eine Art öffentlichen Prospekt beschreibt: Einen kleinen Beitrag zum Gesamtumsatz leistet dieser Vertriebsweg. Und manchmal bringt er sogar neue Kontakte mit sich. Birgit Süß: "Es gab mal eine Kirchgemeinde, die übers Internet auf uns aufmerksam geworden ist und dann gleich 100 Glöckchen bei uns bestellt hat."

Dabei sind Großaufträge gar nicht das, worauf es die 285 Behinderten der Zwickauer Werkstätten abgesehen haben. Denn die Arbeit geht ihnen nicht so locker von der Hand, wie man das aus anderen Produktionsbetrieben gewohnt ist. "Bei unseren Leuten ist eben nicht ein Tag wie der andere", sagt Ullmann. Und auch die Glöckchen, Blumentöpfe oder Stifteboxen kommen mitunter recht unterschiedlich aus dem Brennofen oder vom Bemalen. Für viele Kunden, die auch zum Verkauf in der Werkstatt willkommen sind, macht gerade das den Charme der Arbeiten aus. Dennoch bereitet den Verantwortlichen so manche Großbestellung gerade vor Weihnachten Kopfzerbrechen. "Wir haben nicht immer alles in den Regalen stehen", sagt Birgit Süß.

In Werkstatt gilt Solidarprinzip

Die Erlöse aus dem Verkauf von Keramik machen laut Produktionsleiter Ullmann knapp ein Prozent des Gesamtumsatzes aus. Geld verdienen die Mitarbeiter an anderer Stelle. Dort etwa, wo die Behinderten für deutsche Autobauer oder Spielzeugproduzenten zuliefern. Doch in diesen Abteilungen gelten um einiges strengere Regeln als in der Keramikwerkstatt. Darüber hinaus erledigen Menschen mit Behinderung auch Büro- oder Reinigungsarbeiten. "Wir versuchen, alles mit eigenen Leuten zu besetzen und möglichst ohne Fremdfirmen auszukommen", sagt Ullmann.

Das Geld, das in den Werkstätten erwirtschaftet wird, bekommen die Behinderten ausgezahlt. Dabei gibt es zwar durchaus eine Staffelung, die sich an der jeweiligen Leistung orientiert. Doch ist die bei weitem nicht so streng wie in der freien Marktwirtschaft. In gewissem Maße gilt da eben das Solidarprinzip, sagt der Produktionsleiter.

 
erschienen am 06.08.2012 ( Von Sara Thiel )
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