Günter Till bangt um die Zukunft seines Tiergeheges in Marienthal.
Foto: Andreas Wohland
Zwickauer Tiergehege steht vor dem Aus
Seit 30 Jahren betreibt Günter Till das Tiergehege an der Waldstraße
Zwickau. Die Idylle ist augenscheinlich: Neugierige Ziegen lugen über die Zäune, Katzen liegen entspannt im Gras, Enten ziehen ihre Bahnen durch die beiden Teiche, und überall im Tiergehege an der Waldstraße in Marienthal zwitschern Vögel durcheinander. Doch die Idylle ist in Gefahr.
Der Betreiber des Tiergeheges, Günter Till, ächzt längst unter der Last der Mühe, den Betrieb in der Einrichtung in Gang zu halten. Jetzt ist er an seinen Grenzen angelangt: "Der Zeitaufwand ist enorm. Meine Frau muss mich hier besuchen, wenn sie mich sehen will", sagt er scherzhaft. Doch spätestens seit sich der Tierfreund kürzlich einer schweren Operation unterziehen musste, ist die Zeit der Scherze vorbei. Schonen soll sich Günter Till.
Jens Juraschka, der mit dem Verein Gemeinsam Ziele Erreichen das Tiergehege unterstützt, indem er unter anderem acht Hilfskräfte im Bundesfreiwilligendienst vermittelte, schlägt Alarm: " Mit zwei Telefonen an den Ohren managte Günter Till vom Krankenbett aus den täglichen Betrieb. Wenn es so weitergeht, nimmt sein unbändiger Eifer ein böses Ende." Juraschka redete Till eindringlich ins Gewissen - und der sieht inzwischen auch ein, dass er sich seiner Gesundheit zuliebe schrittweise zurückziehen muss. Doch mit dem Rückzug wackelt das Tiergehege, das ohne Tills ehrenamtliches Engagement keine Zukunft hat.
"Ich habe schon Kandidaten für meine Nachfolge im Kopf, doch die können nicht ohne Lohn arbeiten", sagt der 76-Jährige betrübt. "Notfalls würde der Verein über eine Übernahme des Geheges nachdenken", sagt Juraschka. Doch finanziell ist das kaum zu schultern. "Da Günter Till das Gelände gepachtet hat, muss sich auch die Stadt zur Problematik positionieren", sagt Juraschka. Im Rathaus zeigte man sich von der aktuell brisanten Situation überrascht. Pressesprecherin Heike Reinke sagte, dass es in nächster Zeit Gespräche mit dem Garten- und Friedhofsamt geben soll.
Doch es fehlt ein Lösungsansatz, weshalb Till froh wäre, wenn sich jemand für die Übernahme seines Lebenswerks finden würde: "Ich suche einen oder mehrere, die sich enthusiastisch engagieren, damit es hier weitergehen kann. Dazu braucht es jemanden mit Fingerspitzengefühl und Sensibilität, der unsere über Jahre aufgebauten Beziehungen, fortführt." Das Gehege ist abhängig von einer Vielzahl an Unterstützern und Förderern wie zum Beispiel einem Tierarzt oder Bauern sowie von Sach- und Geldspenden. Findet sich trotz aller Mühe niemand, der die Geschicke im Tiergehege übernimmt, muss das vor allem bei Kindereinrichtungen beliebte Kleinod schließen. Eine Vorstellung, die Günter Till verzweifeln lässt: "Es ist doch mein größter Wunsch, das Tiergehege zu erhalten."

