Unter uns
Blog von Manuela Müller - 28.03.2011 - 20:32:07
Brösel für alle
Sind Fälle bekannt, in denen Eltern mit ihren Kindern bei Restaurant-Besuchen vor die Tür gesetzt wurden? Wundern würde es mich nicht. Natürlich würde ich schimpfen und klagen bis in die letzte Instanz, wenn es uns träfe. Aber, wie gesagt, ich würde mich nicht wundern. Auch ich weiß Ruhe und Sauberkeit zu schätzen.
Wir waren für ein verlängertes Wochenende mit Marius (3) und Jette (18 Monate) verreist. Ein kinderfreundliches Hotel, Halbpension, großes Buffet, Kinderstühlchen. Doch so viel Mühe sich das Personal auch gab: Unsere Kinder können binnen weniger Minuten ein ganzes Zimmer verwüsten, bei einem Frühstückstisch geht das viel schneller. Jette fütterte mit ihrem Milchbrötchen imaginäre Enten: Sie machte Brösel und warf sie auf den Boden. Aus ihren Bananenstücken machte sie Mus, aus den Apfelschnitzen lutschte sie nur den Saft und gab den Rest den nicht vorhandenen Enten.
Marius war so glücklich über das Arrangement aus gefalteten Servietten auf dem Tisch, dass er sofort alle einsammelte und bei sich als Platzdeckchen ausbreitete. Dann bediente er sich am Buffet bei den Papier-Lätzchen und schaufelte eine Schüssel bis zum Rand mit Cornflakes voll. "Das ist doch nicht normal, wie sich unsere Kinder beim Essen benehmen", schimpfte mein Mann und schaute neidisch zu anderen Tischen, an denen friedlich essende Kinder saßen. Ich biss verärgert in mein Brötchen, während ich den Rest von Jettes Milchbrötchen einkassierte. Weil Jette daraufhin weinte, hob ich sie aus ihrem Stuhl. Sie irrlichterte durch das Restaurant. Es grenzt an ein Wunder, dass die Kellnerin nicht über die wandelnden 80 Zentimeter namens Jette stolperte.
Abends das gleiche Spektakel, nur mit anderem Essen. Ich graste mit Marius das Buffet ab. Nahm ihn auf den Arm und öffnete für ihn jeden einzelnen Warmhalte-Behälter. Und bei jedem schüttelte er den Kopf und sagte: "Das nich!" Ich bin erstaunt, dass unsere Kinder an diesem Wochenende nicht verhungert sind und Marius seitdem fast täglich erklärt, wir müssten mal wieder in einer Gaststätte essen. Wahrscheinlich hat die Spielecke des Hotel-Restaurants schöne Erinnerungen in seinem Kopf hinterlassen.
Die Spielecke - ein Indiz, dass Kinder willkommen sind. Skeptisch muss man dagegen sein, wenn an der Eingangstür das Bild eines durchgestrichenen Kinderwagens klebt. Das gibt?s wirklich. In manchen deutschen Großstädten wird über solche Schildchen ein Kulturkampf zwischen Kinderlosen und Familien ausgetragen.
Bei unserem letzten Hotel-Frühstück saß eine Familie mit drei kleinen Kindern am Nachbartisch. Ich schaute zufrieden zu, wie der Jüngste Brötchen zerbröselte und der Mittlere seine Schüssel mit Cornflakes überfüllte.
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