Leser-Obmann
Blog von Reinhard Oldeweme
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E-Mail: leser-obmann@freiepresse.de 19.08.2011 - 15:03:02
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Wenn das die Königin erfährt, dann wird sie ...
Manchmal fasse ich mir an den Kopf, weil ich nicht glauben kann beziehungsweise will, was ich da gerade gehört habe bei meinen Gesprächen mit Lesern am Telefon; und zwar nicht, weil diese Meinung des Anrufers sonderbar, vielleicht sogar extrem und für mich nicht nachvollziehbar ist, sondern weil ich mir selbst eine Frage stelle und meistens keine Antwort darauf weiß: Wie kann einem beim Lesen der Zeitung das nur auffallen? Man weiß es nicht, denke ich dann, und versuche das Geheimnis auch nicht weiter zu ergründen; ich würde vermutlich einen Knoten im Gehirn bekommen. So wie nach dieser Unterhaltung:
"Was halten Sie davon, wenn Sie die heutige Ausgabe Ihrer Zeitung mal an das schwedische Königshaus schicken?", fragte mich eine Leserin, sprach nicht weiter, wartete auf eine Antwort, ließ mich zappeln, so fühlte sich das für mich an. Bis ich das Schweigen beendete, doch leicht verunsichert: "Das werde ich machen, wenn Sie mir sagen, was ich in den Begleitbrief schreiben soll." Die Anruferin musste nicht überlegen und sagte: "Gar nichts, legen Sie einfach die Seite 'Aus aller Welt' mit in den Brief." Ich bat um eine Bedenkzeit, weil ich mir erst mal diese eine Seite in der Ausgabe vom Donnerstag auf dem Bildschirm aufmachen musste. Aber dann sah ich sofort, um welches Thema es ging.
"Es geht Ihnen bestimmt um die Rubrik 'Leute heute' und die Meldung, dass Victoria, die schwedische Kronprinzessin, ihr erstes Kind erwartet", sagte ich deshalb, mit selbstbewussten Ton angesichts dessen, dass ich nicht lange suchen musste. "Das stimmt", erwiderte die Leserin und schob eine Frage nach: "Und, fällt Ihnen etwas auf?" Also begann ich zu lesen; scheinbar alles richtig, nichts mit einem wenig respektvollen Ton, das Foto der Prinzessin mit strahlendem Lächeln erschien mir auch in dieser Größe als Blickfang. Also bekannte ich ehrlich: "Nein."
Die Anruferin fühlte sich bestätigt: "Das habe ich mir gedacht, vermutlich wird es Ihren Kollegen nicht anders gegangen sein bei der Gestaltung der Seite", sagte sie, bevor sie mir dann endlich erklärte, was sie verärgert hat: "In der gleichen Rubrik steht weiter unten, dass Gerard Depardieu während eines Fluges in dem Flieger einfach so, weil er nicht aufs Klo durfte, auf den Boden gepinkelt hat. Und wie finden Sie das?" Um eine Antwort war ich diesmal nicht verlegen: "Völlig daneben, dass hätte ich nicht von ihm gedacht, denn als Schauspieler bewundere ich ihn eigentlich." Das war jedoch nicht das, was die Frau in der Leitung hören wollte. Womit wir das Ende dieser kleinen Geschichte erreicht haben:
"Die Tochter des schwedischen Königs bekommt ein Kind, und ein paar Zeilen später, unter der gleichen Überschrift, pinkelt ein Mann auf den Fußboden eines Flugzeuges. Finden Sie das nicht geschmacklos? So nahe beieinander? Das geht doch nicht, wirklich nicht, wenn das Königin Silvia liest; sie würde Ihnen schon ihre Meinung dazu sagen. Das ist ja schon fast ..." "Majestätsbeleidigung?", bin ich ihr ins Wort gefallen und hörte als Reaktion darauf: "Genau." Das war der Moment, in dem mich an den Kopf gefasst habe. Gesagt habe ich, unfähig zu einer spontanen Wertung dieses Anrufs: "Danke für den Hinweis, ich werde den Redakteuren von Ihrem Anruf berichten." Was ich hiermit tue: Liebe Kollegen, was habt Ihr Euch nur dabei gedacht, eine Prinzessin, eine echte, und dann ...
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