Unter uns
Blog von Manuela Müller - 28.08.2011 - 17:30:44
Alles zu spät
Es ist schon ein paar Jahre her, und Marius (3) und Jette (23 Monate) hausten noch als unbefruchtete Eizellen in meinem Unterleib. Manchmal war ich morgens spät dran. Denn der Arbeitstag begann nach meinem Gefühl ein bisschen zu zeitig.
Dabei hatte ich den Zeitplan nach dem Aufstehen genau durchstrukturiert: zehn Minuten im Bad und zehn Minuten für einen Pulver-Cappuccino. Hielt ich den Plan ein, blieb mir eine Viertelstunde als Puffer, bis ich zur Arbeit fahren musste. Diesen Puffer vertrödelte ich leider schon im Bett. Ich drückte einfach den Wecker aus, bis schon alles zu spät war. Und so musste ich morgens hetzen und fühlte mich unverstanden vom Rest der Welt, der mein Start-Problem nicht ernst nahm. Denn das Leben hatte längst Fahrt aufgenommen, als ich mich gerade aus meinem Bett quälte.
Es ist nicht so, dass ich heute nicht mehr spät dran bin. Im Gegenteil. Aber mit Kindern beginnt ein Tag doch ein bisschen anders als ohne Kinder. Denn ein ganz normaler Morgen von berufstätigen Eltern kann schnell mal so aussehen: Den Wecker zu ignorieren, kann ich mir nicht mehr leisten. Also springe ich beim ersten Piepsen aus dem Bett, als wäre ich bei der Armee.
Ich marschiere ins Bad, um die Zähne zu putzen, und dann weiter in die Küche. Ich fülle die Brotbüchsen für die Vesper und schmiere für die Kompanie Frühstücksbrote. Neben mir stehen zwei baugleiche weiße Babyfone, die sich nur durch fünf Bleistift-Kreuzchen unterscheiden. Über das gekennzeichnete Gerät funkt Marius ? meistens etwas später als Jette. Und Jette scheint gerade erwacht zu sein.
Sie wimmert, schlechtes Zeichen. Als ich die Kindermilch auf etwas über Körpertemperatur erwärmt und in die Flaschen gefüllt habe, kommt mein Mann mit Jette und Marius ins Zimmer. Ich ziehe mich mit den Kindern zurück aufs Sofa, auf dem sie mit geschlossenen Augen ihre Milch nibbeln. Mein Mann macht in der Zwischenzeit Cappuccino. Nicht mehr aus Pulver, sondern aus Bohnen. Wir haben uns so eine moderne Maschine zugelegt, bei der man nur auf den Knopf drücken muss.
Marius findet das sehr interessant und will seinem Vater auch an diesem Morgen helfen. Er tapst in die Küche und schmeißt versehentlich die volle Kaffeetasse runter, die am Tischrand steht. Überall Kaffee. An den weißen Küchenmöbeln, auf seiner Kleidung, auf der Hose meines Mannes und an der Wand, die zum Glück cappuccinofarben gestrichen ist. Marius schreit, Jette schreit, mein Mann wischt, ich stopfe die dreckigen Sachen in die Waschmaschine und schalte sie an. Irgendwann frühstücken wir, und ich bin wieder spät dran. Doch mit dem Unterschied, dass ich im Gegensatz zu früher eine Ausrede habe.
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