Unter uns
Blog von Manuela Müller - 24.10.2011 - 10:55:39
Ein Bett für alle
In Ordnung ist das nicht. Ich meine: Warum stellen die Leute für ihre Kinder Betten auf, wenn nachts alle im Ehebett schlafen? Ich kenne Härtefälle. Da wird der Sekt aufgemacht, weil es der Kleine es endlich schafft, nachts alleine ins Ehebett umzuziehen. Er funkt nicht mehr übers Babyfon, dass er geholt werden möchte, sondern er klemmt sich seinen Esel unter den Arm schleicht sich ins Schlafzimmer.
Für Opa Roland sind solche Eltern genau genommen Gesetzesbrecher. Ich wusste nicht, dass er so hart sein kann. Aber wenn Opa Roland eine Meinung hat, dann lässt er sich nicht davon abbringen: "Es gibt seit 1745 oder 1746 ein Gesetz, dass Kinder nicht im Elternbett schlafen dürfen", sagte Opa Roland, als wir das Thema in der Familie ausgeschlachtet haben. In solchen Situationen schweige ich, weil Opa Roland pensionierter Kinderarzt ist. Obwohl ich mich frage, in welchem Gesetzbuch ich danach suchen könnte. Im Grundgesetz ja eher nicht. Das wüsste ich, wenn es dort eine Passage gäbe mit dem Wortlaut "jeder gehört in sein eigenes Bett".
Opa Rolands alter Chef hatte das immer erzählt. Allerdings sprach der Chef von Säuglingen, die nicht ins Elternbett gehören. Opa Roland hat sich das Gesetz ein bisschen zurechtgeformt.
Mein Mann erklärte stolz, dass Marius (3) und Jette (2) nirgendwo lieber ruhen als in ihren eigenen Betten. Nee, für ihn ist das nichts - dass nachts kleine Füße in seinem Gesicht liegen. Ob er selbst früher in die Besucherritze kroch, wurde nicht diskutiert. Ich hielt mich dort schon ab und zu auf.
Allerdings gegen den Willen meiner Mutter. Sie erfand Geschichten, um mich aus ihrem Bett zu vertreiben: Eltern nehmen ihren Kindern nachts die Kraft. Ich wachse nicht bei ihr im Bett. Es war eher umgedreht, denn meine Mutter geht mir nur bis zum Kinn. Obwohl ich kein Riese bin.
Wir sprachen über vollgestopfte Elternbetten, während Marius und Jette friedlich schliefen. Wie kleine Engel lagen sie auf ihren Matratzen. In der Nacht ließ mich ein Schrei aufschrecken. Marius. Ich ging in sein Zimmer, streichelte ihn und bat ihn, weiterzuschlafen. "Aber nicht immer nur in meinem Bett", schimpfte er. Nach einer längeren Diskussion klemmte er seinen Hasen Wombel unter den Arm und folgte mir ins große Bett. Seitdem zieht er nachts regelmäßig um. Nicht immer, aber ab und zu.
Irgendwie scheint Jette das trotz ihres zarten Alters gemerkt zu haben. Auch sie hat in den vergangenen Wochen mehrere Nächte in unserem Schlafzimmer verbracht. Jette ist eher der Typ, der ungern Ärger provoziert. Deshalb hat sie eine Grauzone im Opa-Roland-Gesetz gefunden: Sie liegt nicht im Elternbett, sondern direkt auf mir drauf. Opa hat nicht gesagt, dass Kinder nicht auf ihren Müttern schlafen dürfen.
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20:31 Uhr
spocksbeard: Liebe Frau Müller,
amüsanter Beitrag. Falls Sie sich mit dem Thema weiter beschäftigen wollen, empfehle ich das Buch "Drei in einem Bett" von Deborah Jackson.
Mit freundlichen Grüßen
H. Hähnel