Unter uns
Blog von Manuela Müller - 13.11.2011 - 17:55:31
Kinderfreie Partyzone
Ich gebe es ungern zu, aber ich bin zur Glucke geworden. Das ist eine Henne, die ihre Brut nicht aus den Augen lässt. Sie gluckt und gluckt und gluckt. Wie ich.
Marius (4) hat bisher erst zweimal bei Oma geschlafen. Einmal, weil es nicht anders ging, und einmal, weil er unbedingt auf Oma Karlas Dachboden schlafen wollte. Schweren Herzens ließ ich ihn beide Male ziehen. Jette hielt ich stets in meiner Obhut. Gluck, gluck.
Jetzt habe ich es zum ersten Mal zugelassen, unsere Kinder über Nacht auszuquartieren. Freiwillig. Ich rief Oma Gis an und sagte: "Du kannst sie dir holen." Weil sie sich das schon lange gewünscht hatte, war Oma Gis sehr, sehr glücklich.
Eine Stunde später rollten Marius und Jette (2) mit ihren Koffern im Opa-Auto vom Hof. Die Wahrheit ist, wir wollten Geburtstag feiern. Und zwar mit Gästen, die weder Windeln noch Schnuller brauchen und keine Milchzähne mehr haben. Mit Gästen, die verkatert auf dem Sofa schlafen und uns nicht morgens um sechs mit Spielzeug-Hühnern überfallen. Wir wollten ausschlafen, ehrlich gesagt.
Der erste Teil klappte gut. Niemand wollte eine Geschichte vorgelesen bekommen. Niemand weinte. Niemand schmierte mit Gummibärchen herum. Während wir am Esstisch Erwachsenen-Gespräche führten, saßen auf dem Sofa die halbwüchsigen Söhne unserer Freunde. Sie hatten sich eine DVD mitgebracht, um den Abend zu überstehen. Der Film hieß "Fast and Furious". Im Groben geht es darum, dass Autos Unfälle bauen.
Am nächsten Tag saßen wir um elf am Frühstückstisch. "Rufst du mal an, ob sie schon losgefahren sind?", bat mein Mann. Marius und Jette sollten zum Mittagsschlaf wieder daheim sein. "Die kommen schon", sagte ich und biss in mein Brötchen. Ich trug meine guten Sachen. Es saß ja niemand neben mir, der seinen Leberwurst-Mund an meinem Ärmel abwischt, nur weil er mich liebkosen möchte.
Eine Stunde später klingelte es an der Tür. Marius und Jette zogen ihre Koffer in den Flur und erklärten Oma Gis zu einer geeigneten Anlaufstelle für langweilige Samstagabende. Oma Gis dagegen sah müde aus und beinahe verwahrlost. Sie war ungekämmt und trug einen schmutzigen Pulli - Oma Gis sah aus wie ich am Sonntagmittag. Es stellte sich heraus, dass Oma Gis mit den Füßen ihrer Enkel im Gesicht schlecht schlafen konnte.
"Hattet ihr nicht eine Feier? Es sieht so sauber aus bei euch", sagte Oma Gis verblüfft, als sie unser Wohnzimmer betrat. Ja, und wir haben erst um elf gefrühstückt. Aber davor haben wir die Spülmaschine aus- und wieder eingeräumt, alle Zimmer gewischt, Staub gesaugt, Blumen gegossen und Fenster geputzt. Wir konnten auch nicht schlafen, gluck, gluck.
| vorhergehender Eintrag | weitere Einträge | folgender Eintrag |