Leser-Obmann
Blog von Reinhard Oldeweme
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E-Mail: leser-obmann@freiepresse.de 21.11.2011 - 14:55:51
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Klarer Auftrag: Bitte lassen Sie nicht nach
Bis zu dem einen Anruf heute Morgen war ich mir sicher, dass ich hier in meinem Blog nicht von den Gesprächen mit Lesern berichten möchte, in denen es um rechtsextremen Terror und um die von den Neonazis der Zwickauer Zelle begangenen Morde ging; weil es zum einem Unterhaltungen gab, die eigentlich keine waren, weil ich nur zugehört und mich am Ende bedankt und höflich verabschiedet habe; weil es zum anderen eher kurze Gespräche waren, in denen mir die Anrufer ihr Unverständnis zum Ausdruck bringen wollten, dass so etwas überhaupt möglich gewesen ist und dass daraus Konsequenzen gezogen werden müssen. Doch dann rief mich diese Leserin an:
"Ich bin schon über achtzig", sagte sie und schwieg für einen kurzen Moment. Dann fügte sie hinzu: "Und was das bedeutet, muss ich Ihnen eigentlich gar nicht sagen: Ich habe die Nazis im Dritten Reich erlebt und muss seit dieser Zeit damit leben, was sie mir und meiner Familie angetan haben." Dann hat auch sie mir erzählt, wie wütend es sie macht, dass solche schlimmen Dinge passieren und dass die Menschen überhaupt auf die Straße gehen müssen, um beispielsweise gegen ein NPD-Schulungszentrum in Chemnitz zu demonstrieren. Für die für Anruferin war klar, ich hörte es nicht zum ersten Mal: "Die Partei muss verboten werden." Dass die Stadt Zwickau künftig im ganzen Land mit diesem Terror in Verbindung gebracht werde, schmerze sie besonders. Zum Ende der Unterhaltung schlug die Frau am anderen Ende der Leitung noch einmal einen Bogen zum Beginn:
"Und weil ich aus eigener Erfahrung spreche, beschleicht mich noch ein ganz anderes Gefühl", sagte sie und bekannte: "Ich habe Angst, dass es noch einmal passiert, dass sich die Geschichte wiederholen könnte." Dass ich das gut verstehe und nachvollziehen kann, habe ich ihr gesagt, doch das hat ihr nicht gereicht, sie wollte mehr von mir: "Ich bin eine alte Frau, ich kann selbst nicht mehr viel tun. Aber die Zeitung kann das: Bitte lassen Sie nicht nach in Ihren Bemühungen, die Menschen aufzuklären, welche Gefahr da auf uns zukommen könnte und sagen Sie allen, die es wissen wollen, dass es noch Leute wie mich gibt, die wissen wovon sie sprechen."
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