Unter uns
Blog von Manuela Müller - 12.03.2012 - 13:43:30
Einfach mal duschen
Ich hatte seit 156 Stunden keinen nennenswerten Schlaf. Bin jede Nacht zwischen zwei Kinderzimmern gependelt, bin erschöpft und habe dunkle Augenringe, die ich morgens mühsam überschminke. Und jetzt dusche ich. Es muss doch möglich sein, sich als Mutter mal abends halb Acht unter die Dusche zu stellen.
Jette (2) habe ich in ihr Bettchen gelegt. Statt danach zurück ins Wohnzimmer zu gehen, wo mein Sohn auf sein Feierabendprogramm wartet, bin ich ins Bad abgebogen. Eben ist mein Mann von der Arbeit gekommen. Marius (4) ist also nicht ohne Aufsicht. Ich will mir Zeit stehlen, nur zehn Minuten, die niemandem auffallen. Zum Duschen. Wenn ich meinen Kopf vom Wasserstrahl wegdrehe, höre ich Jettes Geschrei. Also lasse ich den Kopf lieber unter der Brause.
"Ach, hier bist du", sagt mein Mann, der mich offenbar gesucht hat, und: "Jette ruft dich."
Ich: "Ich dusche. Du hast heute Morgen gesagt, dass meine Haare fettig aussehen." Beim nächsten Mal sollte ich mich einschließen im Bad.
Er: "Das ist aber Mist jetzt - wenn die Kinder nach dir rufen."
Ich: "Ich muss Haare waschen, und es dauert immer ewig bei langen Haaren, bis sie trocken sind."
Er: "Ich will auch duschen."
Dann gibt er auf. Tatsache ist, dass in Kleinkind-Familien selbst die Körperhygiene-Zeiten durchgeplant werden sollten. Einfach mal duschen, das funktioniert nicht. Normalerweise dusche ich nur, wenn die Kinder schlafen. Doch das ist jetzt eine Ausnahme-Situation: 156 Stunden ohne ordentlichen Schlaf und fettige Haare, die zum Trocknen eine Weile brauchen. Weil ich mich unwohl fühle und so schnell wie möglich ins Bett möchte, habe ich mir vom Abendritual meiner Kinder ein paar Minuten geklaut. Nachts nagen sie schließlich auch an meiner Zeit herum, ohne dass ich jammere. Wenn alles schläft, massiere ich die Kiefer meiner Tochter mit einem beruhigenden Gel. Jette vervollständigt ihr Gebiss gerade mit vier Eckzähnen. Außerdem hat sie Schnupfen, was sich ungünstig auf ihr Schlafverhalten auswirkt. Und meinen Sohn plagen Albträume. Gestern wachte er auf und weinte: "Das Spiegelei ist alle", sagte er, und es dauerte lange, bis ich ihn beruhigen konnte. Marius hatte geträumt, dass wir in der Hallenbad-Kantine essen und man ihm dort das Spiegelei verweigerte. Eine Sauerei ist das.
Jetzt noch abtrocknen, Marius noch aus seinem Buch "Wissenswertes übers Wasser" vorlesen, Zähne putzen - und gute Nacht. Am nächsten Morgen fühle ich mich relativ gut, weil ich den gesetzlichen Mindestschlaf eingehalten habe. Zumindest fühle ich mich die ersten Stunden gut. Bis mein Kollege Peter ins Büro kommt und behauptet, ich hätte Augenringe.
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