Unter uns
Blog von Manuela Müller - 29.07.2012 - 16:27:54
Mutter ist lustig
Ich laufe mit Jette (2) am Frühstücksbuffet unseres Ferienhotels entlang. Jette balanciert ihre Cornflakes-Schale und bleibt im Speisesaal stehen. Rechte Hand schnellt hoch, Zeigefinger raus, in der linken Hand schwanken die Cornflakes. "Mama! Sau mal! Da ist Mutter!", ruft meine Tochter und zeigt auf eine fremde Frau.
Oh ja, die Mutter. Sie sieht übernächtigt aus. Mutter ist etwa 20, pummelig und Animateurin auf Mallorca. Sie gehört zu denen, die ihre Jugend als Touristen-Bespaßer verlängern, bevor sie Sozialpädagogik studieren. Oder so. Mutter heißt eigentlich Martha. Aber da Jette sächsisch spricht und offenbar auch hört, hat sie "Mutter" verstanden.
Jette findet Mutter sympathisch. Das kränkt mich, weil es ja nicht um mich geht. Meine Tochter sagt zu einer Fremden Mutter und findet die auch noch nett. Wahrscheinlich, weil Mutter sich abends bei der Minidisko als Clown verkleidet. Sie tanzt zusammen mit meinen Kindern Elefanten-Tänze und singt zum Abschluss ein lustiges Lied, in dessen letzter Strophe jeder die Zunge herausstrecken darf.
Auch wir als Eltern dürfen das, Zunge herausstrecken beim Mittanzen. Aber da habe ich keine Hemmungen, ich bin ja pauschal und anonym. Das geht den Männern sicher ähnlich, die am Rand der Minidisko-Tanzfläche stehen und Mallorca-Strohhüte tragen, die man in diversen Kneipen zum sechsten Bier geschenkt bekommt.
Zwischen ihnen steht mein Mann, ohne Strohhut, und fotografiert von allen Seiten unsere tanzenden Kinder. Er fotografiert Jette, als sie in eine Schlägerei mit einem älteren Jungen gerät. Und er fotografiert Marius, als ihm ein Vampir mit dem Ellenbogen auf die Nase haut. Der Vampir ist neutral betrachtet ein kleiner Junge mit schwarzem Müllsack-Umhang. Offenbar war er tagsüber an Martha geraten und hatte mit ihr gebastelt. Sie bastelt viel mit Mülltüten. Dass Martha auch außerhalb der Minidisko zur Verfügung steht, werde ich meinen Kindern niemals verraten.
Ich hätte nicht gedacht, dass mir diese Art von Ferien Spaß machen würde. Eigentlich bevorzuge ich es, mich im Urlaub selbst zu animieren. Jetzt sind Mutter und Lars dafür zuständig. Wir fühlen uns ein bisschen wie im Ferienlager, weil wir uns vor ihnen verstecken wie früher vor unseren Betreuern. Lars hat bereits einige Alles-inklusive-Saisons hinter sich, was man ihm ansieht. Leider steht er auf Beilagen und Fleisch, sagt er. Deshalb wird er irgendwann von der Bühne verschwinden und in seiner großen holländischen Animations-Agentur Karriere machen.
Abends tanzt Mutter versehentlich einem kleinen Mädchen auf die Füße. Das Kind brüllt. Jette kommt zu mir und schimpft über Mutter. Na also.
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