Alltag Afghanistan

Blog von Christian Gesellmann - 29.08.2012 - 16:57:19


Sensible Nachrichten

Es sind Ereignisse, die während des Pleite-Trubels um Griechenland, Medaillen-Wettkämpfen bei Olympia und dem Bürgerkrieg in Syrien den meisten Medien nur eine kurze Meldung wert waren:

Kürzlich wurde bekannt, dass Bundeswehr-Oberst Georg Klein zum Brigadegeneral befördert werden soll. Klein hatte vor drei Jahren in Afghanistan den Befehl zur Bombardierung von zwei Tanklastzügen in der Nähe von Kundus gegeben. Mehr als hundert Menschen starben.  

Und vor wenigen Tagen sind mindestens neun Soldaten vom US-Militär bestraft worden. Strafmaß unbekannt. Sie hatten auf die Leichen getöteter Taliban-Kämpfer uriniert und auf der US-Militärbasis Bagram bis zu hundert Koran-Ausgaben und religiöse Schriften verbrannt. Ende Februar war es deshalb zu tagelangen Ausschreitungen mit mehreren tausend Demonstranten gekommen, bei denen mindestens 30 Menschen starben.

Angehörige von Soldaten, die momentan im Auslands-Einsatz sind, saugen solche Nachrichten geradezu aus der Zeitung oder dem Internet heraus. Sie wissen: es gibt Kräfte in Afghanistan, die hochsensibel darauf reagieren, die sie in ihrem Sinne nutzen und zu einer  Propagandawaffe machen können, die die zuletzt ruhige Lage im Einsatzgebiet ihrer Partner, Kinder oder Eltern schlagartig verschlechtern kann.

Die schiere Länge dieses inzwischen knapp elf Jahre währenden Krieges lässt das Interesse für den Einsatz der ISAF sinken, das Verständnis in der Bevölkerung schwinden. So werden die Nachrichten kürzer und symbolischer. Und Angehörige sowie Soldaten Suchende ? Suchende nach Bestätigung oder irgendeine Reaktion auf das, was sie tun.

Der Einsatz der Bundeswehr in Afghanistan hat die deutsche Armee grundlegend verändert ? und das nicht nur strukturell. Ihr Verhältnis zur Zivilbevölkerung bleibt weiterhin, und für den Osten Deutschlands gilt das ganz besonders ? von Skepsis und oft Ablehnung geprägt. Der Begriff Veteran bleibt ein Fremdkörper.

Dieser Blog soll nicht nur die Aufgaben der sächsischen Soldaten in Masar-i-Sharif und Hazrat-e-Sultan und Kundus beschreiben, sondern auch Einblick geben, wie die Soldaten selbst ihre Aufgabe wahrnehmen und verstehen.


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Kommentare
1
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  • 30.08.2012
    07:52 Uhr

    Jothade: ...ich kann da immer nur wieder sagen:
    RAUS DA! UNSERE SOLDATEN HABEN DA NICHTS VERLOREN!!

    Das ist ein Land mit eigener Kultur, die mit unserer "westlichen Lebensweise" nicht zu vergleichen ist!
    Außerdem ist das ein Krieg der Ami´s, der genauso pleitig enden wird wie der der Sowjetunion!

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Blogger Christian Gesellmann

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