Leser-Obmann
Blog von Reinhard Oldeweme
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E-Mail: leser-obmann@freiepresse.de 10.09.2012 - 16:07:49
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Da war er wieder, dieser ganz normale ...
Am ersten Arbeitstag nach dem Kurzurlaub darf ich es mir, weil der Stapel der aufzuarbeitenden Schreiben im Posteingang nicht kleiner werden will, ausnahmsweise mal einfach machen und von den ersten Anrufen heute zwischen zehn und zwölf berichten; morgen picke ich dann wieder die Rosinen heraus, versprochen.
Episode 1 (10.12 Uhr): "Da fehlt in dem dritten Wort der Überschrift in dem Artikel ganz rechts oben auf der letzten Seite des ersten Teils ein Buchstabe", sagte eine Leserin und verlangte von mir mehr Sorgfalt beim Umgang mit der deutschen Sprache. Natürlich hatte sie recht, obwohl es das Wort "erbeben" gibt, aber nicht als Substantiv und nicht als Bezeichnung für eine Naturkatastrophe in China, bei der viele Menschen ums Leben gekommen sind.
Episode 2 (10.19 Uhr): "In der Zeile unter der Karikatur auf der vierten Seite ist im fünften Wort ein Buchstabe zuviel", teilte mir ein Leser mit, denn der Hauptstadtflughafen, über den zurzeit viel geschrieben wird und den Tomicek mit seiner Zeichnung aufs Korn genommen hat, werde zweifelsohne in Berlin gebaut und nicht in Sachsen. Natürlich hatte auch dieser Anrufer "in Sachen" Rechtschreibung vollkommen recht, aber weil der Computer sowohl "Sachen" als auch "Sachsen" kennt, ist dieser Faselfehler leider durchgerutscht.
Episode 3 (10.41 Uhr): "Auf dem Weg zum Tag der Sachsen in Freiberg habe ich um Stau gestanden", sagte mir eine Leserin und fügte hinzu: "In ihrer Übersicht mit Sperrungen hätten Sie ruhig auch vor dieser Staugefahr warnen können." Es hat tatsächlich fast fünf Minuten gedauert, bis ich verstanden hatte, was sie gemeint hat: Auf die Idee, von der ausgeschilderten Umleitung abzuweichen und einen Schleichweg zu fahren, waren viele Autofahrer gekommen, nur um dann festzustellen, dass sie nicht die einzigen waren und sich an jeder Ampel wie alle anderen anstellen mussten.
Episode 4 (11.02 Uhr): "Am 28. Oktober im Jahre 312 n. Chr., also vor genau 1700 Jahren, ging aus der legendären Entscheidungsschlacht an der Mivischen Brücke Konstantin I. als alleiniger Herrscher des Weströmischen Reiches hervor. Seinen Sieg führte er auf eine christliche Vision zurück, die ihm zum Sieg verholfen haben soll. Dadurch wurde im Jahr danach die Religionsfreiheit durch ihn garantiert und dem Christentum damit der Weg zur Hauptreligion im Reich geebnet", informierte mich ein Leser. Nach dem Grund für diese Mitteilung konnte ich ihn nicht fragen, denn er hatte mit dem Erzählen nicht aufgehört, sondern nur Luft geholt, denn als nächstes sagte er: "Ich erwarte von Ihrer Zeitung, dass sie dieses historische Ereignis entsprechend würdigt."
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