Jung, gebildet, ehrgeizig sucht ...
Blog von Franziska Herold - 17.09.2012 - 12:26:09
Und täglich grüßt das Murmeltier
Es gibt Dinge im Leben, die lassen sich nur mit einem Glas Wein erledigen. Und ertragen.
Mit m i n d e s t e n s einem Glas. Dazu gehören:
- die letzten Seiten einer Abschlussarbeit,
- die Steuererklärung und ...
- die "Arbeitsuchend"-Meldung bei der Arbeitsagentur!
Es war noch am Abend nach meinem Besuch bei der Agentur, als ich meinen Laptop einschaltete und es mir bei einem Glas Wein auf der Couch gemütlich machte. Alle unnötigen Programme hatten sich bereits per Autostart ihren Teil der Systemleistung einverleibt, als sich mein Browser öffnete und ich mit ein paar Klicks auf die richtige Seite gelangte. Und tatsächlich: Direkt auf der Startseite befand sich ein Button, der den Weg Richtung "eService" und "Arbeitsuchend"-Meldung wies.
"Eigentlich ja ganz einfach!", dachte ich mir ...
"Bitte melden sie sich an, um die Dienstleistungen nutzen zu können."
"Na klar, das mach ich doch gerne." Es folgten:
- die Nutzungsbestimmungen ...
- die Datenschutzerklärung ...
Ich bestätigte flink in der Hoffnung, der Agentur damit nicht meine Seele verkauft zu haben. Plötzlich das:
Registrieren als Bewerber
"Ja, das mach ich auch noch!"
Schon konnte ich mein persönliches Jobbörsenprofil anlegen. Moment! Wollte ich mich nicht nur suchend zu melden?! Desillusioniert klickte ich auf "Weiter" und holte, noch während mein Rechner die Seite lud, die Flasche aus dem Kühlschrank. Dank Fantasie und anderthalb Gläsern Wein dachte ich mir einen Benutzernamen und ein Kennwort aus. Noch ein paar Fragen zu meiner Person, meine Anschrift - fertig. Registrierung abgeschlossen! Neue Hoffnung keimte. Auf der nächsten Seite las ich:
"Arbeitsuchend melden"
Endlich! Das zweite Glas leerte sich, als ich meine aktuelle Situation darlegen sollte:
- Ich bin ...
"Gibt es als Antwort: *angetrunken*?"
Ich verneinte vorsorglich selbst, klickte notgedrungen auf "Student", füllte noch mehr Fragen aus - und siehe da: Es war geschafft - und ich nun endlich auch offiziell arbeitsuchend. Laut Webseite sollte sich in den nächsten Tagen eine fachkundige Agentur-Mitarbeiterin wegen eines Termins bei mir melden.
Es vergingen zwei Wochen - genug Zeit, um meine Waffelbackkünste auf beinahe meisterliches Niveau zu heben - als ich den ersehnten Brief bekam. Ich riss ihn noch auf der Treppe auf und überflog das Schreiben. Viel stand nicht drin. Ich hatte eine Sachbearbeiterin. Aha! Und einen Termin fürs Beratungsgespräch. War das nun die goldene Eintrittskarte in Willy Wonkas Schokoladenfabrik?
Ich griff zum Handy, um eine andere Zeit zu vereinbaren.
"Die Kosten aus dem Mobilfunknetz können abweichen."
Wahrlich keine Werbung für die gebührenpflichtige 01801-Hotline. Aber ein dezenter Hinweis darauf, Geld zu sparen. Ich suchte die Festnetznummer. Ich wählte die Festnetznummer. Ich wartete. Und wartete. Und ... Jeder, der das schon einmal versucht hat, wird vermutlich mitleidig lächeln. Ich aber, ich war damals noch voller Hoffnung.
15 Minuten und einen Aufschrei später gab ich mich geschlagen. Ich rief nun doch die gebührenpflichtige Hotline an. Fast fühlte ich mich schon wie eine Kundin, weil die Dame am anderen Ende so freundlich war, ich ihr meine Situation und mein Problem geschildert hatte, als sie mir nach fünf Minuten erklärte:
"Da kann ich Ihnen leider nicht weiterhelfen."
Der letzte Funke Hoffnung war soeben erloschen. Die Mitarbeiterin am anderen Ende erklärte, sie vermerke mein Anliegen in meiner Akte, die Sachbearbeiterin würde sich bei mir melden. Als ich das Handy beiseitegelegt hatte, überkam mich der Wunsch, meinen Kopf gegen etwas Hartes zu schlagen. Etwas sehr Hartes. Alles auf Anfang? Ich hatte das Gefühl, um zwei Wochen zurückgeworfen worden zu sein. Wo war doch gleich der Wein?
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