Netzgeflüster
Blog von Netzgeflüster - 08.07.2009 - 12:41:52
Schonerbedürftig

Wenn Sie schon immer mal wissen wollten, mit welchen Internet-Suchanfragen Sie am meisten Gefahr laufen, Ihren Rechner zum Wurmfortsatz finsterer Hacker zu machen, dann seien Sie beruhigt. Die Antwort lautet weder "Paris Hilton nackt" noch "Blitzkrieg" oder "Abwrackprämie". Die Antwort heißt ... Bildschirmschoner!
Das Sicherheitsunternehmen McAfee hat die gefährlichsten Suchbegriffe im Web erfasst - und siehe da: Gut 60 Prozent der Ergebnisse zum Suchbegriff Screensavers, sprich: Bildschirmschoner, führen zu Seiten, die Rechnern ans Eingemachte wollen. Das überrascht. Denn wer sucht heutzutage noch nach Bildschirmschonern, einem Relikt aus den Anfangszeiten des PC?
Früher, da mochte so ein Schoner ja zu etwas Nutze sein. In den 80ern, als sich die Konturen einer Abfragemaske noch in den Monitor einbrennen konnten. Es waren Zeiten, als bunte Rechtecke absonderliche Verrenkungen vollführten oder die Sterne des gesamten Kosmos auf uns zurasten. Nicht zu vergessen jenes Programm von After Dark, das als erster Bildschirmschoner auch kommerziell Erfolg hatte: Flying Toasters. Vor schwarzem Hintergrund sah man da engelsgleich beflügelte grenzdebile Grillgeräte goldbraun gebackenen Weißbrotscheiben hinterherjuckeln. Das schonte zwar den Bildschirm, nicht aber die eigenen Nerven, sieht man mal von jenen Programmierproleten ab, die derlei Elektronikschrott mit dem Etikett "Kult" versahen.
Heutzutage sind eingebrannte Bildschirme Vergangenheit und fliegende Toaster schlichtweg Stromfresser. Jeder halbwegs moderne Rechner schaltet nach einer bestimmten Zeit in den Energiesparmodus, sofern nicht irgendein "Schoner" Prozessor, Grafikkarte und Bildschirm beschäftigt. Insofern muss man den Hackern dankbar sein, dass sie sich beim Entern fremder Computer auf jene konzentrieren, die nach "Screensavers" suchen. Diese Leute nehmen es mit dem Stromsparen ohnehin nicht so genau. Und mal ganz nebenbei: Den besten Bildschirmschoner findet man sowieso nicht im Internet, sondern in der realen Welt: Kopf einschalten, Knopf ausschalten, fertig.
Von Ronny Strobel
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