Unter uns
Blog von Manuela Müller - 09.05.2010 - 18:49:41
Freunde: Kumpels im Popel-Alter
Geht mein Sohn (2) unseren Nachbarn auf den Wecker? Kaum schlüpft er morgens durch die Haustür, flitzt er an ihren Gartenzaun und ruft nach Julius. Der ist schon drei, wohnt gegenüber und ist sein bester Kumpel. Am liebsten würde Marius den ganzen Tag mit Julius im Dreck wühlen und nach Würmern suchen. Geht natürlich nicht, was Marius manchmal ganz schön wütend macht.
Echte Männerfreundschaften wachsen schon im Popel-Alter. Marius und Julius sind der Beweis. Da gibt es kein Geläster und nur manchmal Gepetze. Sie sammeln zusammen Stöcke, buddeln im Sandkasten, fahren auf Plastik-Kipplastern Steine durch die Gegend und schieben Baby Jettes (8 Monate) Kinderwagen. Im Gegensatz zu Marius trägt Julius keine Windel mehr. Also guckt Marius begeistert zu, wenn sein Kumpel ans Gebüsch pinkelt. Manchmal gibt es auch Zoff, und das klingt so: "Das ist mein Stock!", "Nein!", "Doch!", "Nein!", "Doch!", "Mama, mein Stock!".
Neulich hat Marius ein Würstchen abgestaubt, so wie sein Vater beim Ausgehen Zigaretten schnorrt. Julius sollte Essen kommen, "Würstchen", lockte seine Mutter. Marius klinkte sich ganz selbstverständlich mit ein. So selbstverständlich wie für Marius die Roster war für mich früher der Schokoladenkuchen bei Udo. Udo und ich, das war wie Heidi und Ziegen-Peter nur ohne Berge. Wir waren Nachbarskinder und fast jeden Tag zusammen. War Udo nicht da, fühlte ich mich einsam. Gleichaltrige Kinder in der Nachbarschaft waren damals normal, heute ist es Luxus. Ich habe mir jetzt ein Herz gefasst und Julius? Vater gefragt, ob ihn unser Sohn manchmal nervt. "Nee, wieso? Nervt euch unserer?", antwortete er. Wer stört sich schon an Luxus?
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