Unter uns
Blog von Manuela Müller - 13.09.2010 - 09:08:04
Schleimig: Marius und die Schnecken
Seit kurzem beschäftige ich mich mit Schnecken. Ich wusste gar nicht, wie viele verschiedene Schneckenhaus-Modelle es gibt. Unsere Schnecken schleppen gelbe Häuser mit braunen Streifen mit sich herum. Manche sind heller, manche dunkler, manche haben breite Streifen, manche dünne und so weiter. Selbst mein Sohn Marius (2) kann sie unterscheiden. Er liebt jedes Tier, das nicht vor ihm flüchtet. Schnecken hat er besonders ins Herz geschlossen. Weil sie beim Streicheln nicht so ein Theater machen wie Katzen. Schnecken halten still.
An Regentagen pflückt Marius jede Schnecke vom Weg, die er finden kann. Er sammelt sie ein und trägt sie auf Händen spazieren. Neulich, an einem Vormittag, haben wir so viele Schnecken gefunden, dass Marius mir einen Teil davon in die Hände drückte. Ein paar Minuten ging das gut. Dann wurde die erste Schnecke mutig, kroch aus ihrem Haus und schleimte meine Hand voll.
Sofort ließ ich alle Schnecken fallen, und mein Sohn war am Boden zerstört. Also holten wir einen kleinen Eimer von daheim, in dem die Tiere als WG leben sollten. Der Eimer war früher mal ein Fässchen für saure Gurken. Marius legte seine Schnecken hinein und fütterte sie mit Gras. Diese Hain-Bänderschnecken, zu denen die meines Sohnes gehörten, sind ja beim Essen zum Glück nicht so wählerisch. Sie fressen frische Pflanzen und notfalls auch sich gegenseitig. "Na, sammelst du Eicheln?" fragte eine ältere Dame, die meinen Sohn mit seinem Eimerchen sah. "Snecken hab ish, ganz viele. Die nehm ish mit ins Bett", antwortete Marius glücklich. Nur durch diverse Drohungen brachte ich ihn dazu, den Eimer vor der Haustür abzustellen und allein Mittagschlaf zu machen.
Unser Experiment "Wie verhält sich eine Schnecken-WG zur Mittagszeit im Saure-Gurken-Fässchen?" wurde von meinem Mann radikal abgebrochen. Er setzte die Schnecken aus und warf den Eimer weg - weil der nach kurzer Zeit schon gefährlich vollgeschleimt war.
Nachmittags ließ Marius mich in Ruhe mit seinem schleimigen Hobby, er hatte andere Sorgen. Kurz vorm Schlafengehen putzten wir ordnungsgemäß Zähne. Als Marius seine Zahncreme auf die Zahnbürste quetschte, machte er eine Entdeckung: "Ei, sieht aus wie eine weiße Nacktsnecke!"
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