Leser-Obmann
Blog von Reinhard Oldeweme
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E-Mail: leser-obmann@freiepresse.de 22.09.2010 - 16:22:48
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Von Glocken, Räubern und Geistern
Mit aller Gewalt hat mich heute meine Schulzeit eingeholt. Denn bei dem einen Anruf fiel mir zuerst dies ein:
Fest gemauert in der Erden
Steht die Form, aus Lehm gebrannt.
Sie wolle mit mir über Friedrich Schiller reden, sagte die Leserin, doch mit meinem Zitat aus "Die Glocke" konnte ich nicht wirklich parieren, glänzen schon gar nicht. Denn sie habe einen Fehler in der Zeitung entdeckt, fügte die Anruferin hinzu und erklärte mir den Sachverhalt: "Freie Presse" hat über eine Premiere von "Die Räuber" in Leipzig berichtet. Und in den Informationen zum Stück stand: "Die Söhne Franz und Karl Moor sind dabei Antipoden. Franz, der schöne Idealist, rebelliert in der Ferne gegen die Verhältnisse, derweil der hässliche Karl daheim ohne Skrupel das väterliche Erbe und Franzens Verlobte Amalia erschleichen will."
Die Leserin machte eine kurze, aber effektvolle Pause, in der ich dachte:
Ich sei, gewährt mir die Bitte,
In eurem Bunde der dritte!
Doch auch meine Erinnerungen an "Die Bürgschaft" halfen mir nicht wirklich weiter, ich fand den Fehler nicht. Aus dem Hörer kam die Erlösung: "Karl rebelliert in der Ferne, während Franz daheim bleibt. Also genau umgekehrt." Meine Frage beantwortete die Leserin noch bevor ich sie ausgesprochen hatte: "Da bin ich mir ganz sicher."
Wenige Minuten und vier Begriffe in der Suchmaschine des Internets weiter war ich es mir dann auch: Die Anruferin hatte Recht. Und mir fiel ein: Die ich rief, die Geister, werd' ich nun nicht los. Von Goethe, keine Frage, bevor hier ein falscher Eindruck entsteht.
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