Unter uns
Blog von Manuela Müller - 27.09.2010 - 09:48:10
Modefimmel: Verhängnisvolle Schlüpfer
Kinder sehen manchmal aus, als wollten sie zur Faschingsfeier. Nur dass gerade nirgendwo Fasching ist. Sie tragen knallrote T-Shirts mit Maskierte-Gestalt-Aufdruck und dazu grüne Jogginghosen, sie laufen in Gummistiefeln rum, obwohl definitiv nirgendwo eine Pfütze ist.
Kann man es als Mutter schön finden, wenn sein Kind so vermurkst auf die Straße geht? Ich sag's mal positiv: Wir Eltern unterstützen unsere Söhne und Töchter nur dabei, einen eigenen Geschmack zu entwickeln. Gummistiefel bei Sonne sind ein Indiz, dass das Kind sich selbst eingekleidet hat. Während Jette (12 Monate) fröhlich auf alles sabbert, was ich ihr anziehe, testet Marius (2) sein Talent als Trendsetter für Kleinkinder.
Es begann mit blauer Unterwäsche. Ich hatte meinem Sohn eine Garnitur gekauft, auf die ein Hubschrauber gedruckt ist. Er war so glücklich darüber, dass er den ganzen Nachmittag in Schlüpfern und Unterhemd durch den Garten hüpfte. Das war nicht weiter schlimm, weil es heiß war.
Nun wird er immer selbstbewusster bei der Wäsche-Wahl. Jeden Morgen muss ich ihn vorm Kleiderschrank hochheben, damit er sich etwas rauspicken kann. Dummerweise wählt Marius seine Kleidung ohne Rücksicht auf den Wetterbericht. Sonne, 20 Grad, also vom T-Shirt-Stapel wählen ? so rational geht man da mit Zwei nicht ran. Es ist auch schwer, einem Kleinkind zu erklären, dass man im Bett keine Wollmütze braucht.
"Ich such' heute deinen Pulli aus und du die Socken", schlug ich vor, als er bei zehn Grad und Dauerregen im Teddybär-T-Shirt zur Tagesmutter wollte. Marius wühlte wütend durch den Socken-Schub ? bis er einen schwarz-weißen Sockenball entdeckte. Kuh-Strümpfe! Nun trägt er seit fast zwei Wochen täglich viel zu große Socken. Er trägt sie beim Kindersport, im Sandkasten und im Bett. Nachts wasche ich sie heimlich und trockne sie auf der Heizung. Es ist jeden Tag das gleiche Geschäft: Er darf seine Kuh-Socken tragen und ich die Pullis vorschlagen.
Neulich fuhren wir in die Stadt. ?Ish will meinen Mantel anziehen?, wimmerte Marius, als wir aufbrachen. Da zog ich ihm ohne Diskussion die Jacke über. Nichts gegen Mäntel. Aber mein Sohn meinte seinen Bademantel.
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