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Zwickau kämpft um sein Image

Verantwortliche wehren sich mit Mahnwachen und Demonstrationen gegen den Ruf als Terrorzelle

Zwickau (dapd-lsc). Die Neonazi-Täter kamen aus Thüringen, doch der Begriff von der Zwickauer Terrorzelle macht seitdem die Runde. "Mit Zwickau hat das Ganze nichts zu tun, trotzdem hat sich der Begriff festgesetzt", beklagt Sabine Zimmermann, Bundestagsabgeordnete aus Zwickau und Regionalvorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbundes in ihrer Heimat.

Längst sei der Ruf der westsächsischen Stadt als Terrorzelle auch ins Ausland gedrungen, berichtet Zimmermann. "Firmen berichten uns, dass sie von ihren ausländischen Partnern bereits darauf angesprochen werden, was bei ihnen los sei." Für Zwickau, eines der wenigen Industriezentren des Landes, könnte der Ruf als Terrorzelle verheerende Folgen haben. "Ein großer Teil der Firmen, die sich hier in den vergangenen zwei Jahrzehnten angesiedelt haben, exportieren ihre Güter. Die müssen sich nun erklären", sagt Zimmermann.

Die Stadt Zwickau, nur 90 Kilometer vom Geburtsort der toten Neonazis Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos sowie ihrer Komplizin Beate Zschäpe in Jena entfernt gelegen, hat sich in den vergangenen Jahren als Wirtschaftsstandort etabliert. Neben Volkswagen siedelten sich zahlreiche Automobilzulieferer an. Zwei Wochen nach der Explosion des Hauses in Zwickauer Stadtteil Weißenborn, wo die mutmaßliche Terrorzelle ihren Unterschlupf hatte, haben die Verantwortlichen der Stadt die wirtschaftliche Gefahr erkannt und beginnen damit, sich gegen den drohenden Imageschaden zu wehren. Den Auftakt machten am Montag die Zwickauer Grünen, die mit einer Mahnwache an die Opfer rechtsextremer Gewalt erinnerten.

Am Freitag (25. November) soll eine große Kundgebung unter Beteiligung des DGB, Kirchenvertretern und der Politik folgen. Ortsansässige Firmen, darunter mit Volkswagen der größte Arbeitgeber in der Region, haben ihre Unterstützung zugesagt. Möglicherweise wird auch Bundespräsident Christian Wulff (CDU) nach Zwickau kommen. "Es geht uns vor allem darum, die Leute stärker zum Hinsehen aufzufordern. Wir müssen hinschauen, wer da eigentlich in unserer Nachbarschaft lebt", sagt Zimmermann.

Zwickaus Bürgermeisterin Pia Findeiß (SPD) hat bis dahin die denkbar schwierige Aufgabe, das ramponierte Image der Stadt in den Medien halbwegs wieder aufzubessern. Die ansonsten resolute Politikerin spricht dabei zurückhaltend von einem "bösen Zufall", der ihre Stadt vor zwei Wochen ereilte. "Das hätte genauso in Erfurt, Magdeburg, Ingolstadt oder sonst wo passieren können", sagt sie.

Auch sei Zwickau nicht im Verdacht, in der Vergangenheit den Nährboden für das Entstehen einer rechten Szene gelegt zu haben, gibt Findeiß zu bedenken. So gebe es zwar hier und da ein Aufflackern der Rechtsextremen - NPD und DSU sind mit jeweils einem Abgeordneten im Stadtparlament vertreten - allerdings seien die Einwohner keinesfalls rechtslastig. "Seit 15 Jahren gibt es in der Stadt ein Bündnis gegen rechte Gewalt - das die Stadt auch finanziell unterstützt. Und in ganz Zwickau finden sie keine einzige Nazischmiererei", sagt Findeiß.

Langfristig setzt sie darauf, dass sich Zwickau von dem momentanen Schaden wieder erholen wird. "Auf den ersten Blick spricht derzeit viel dagegen. Wer allerdings länger darüber nachdenkt, wird sehen, dass Zwickau eine gute Adresse für die Menschen, die Wirtschaft und die Kultur ist", gibt sich Findeiß optimistisch.

In der Frühlingsstraße im Stadtteil Weißenborn, wo die Neonazis Böhnhardt, Mundlos und Zschäpe über drei Jahre in einer Doppelhaushälfte wohnten, ist man offenbar schon soweit. Der erste Schock sei verdaut und gäbe es nicht den ganzen Rummel um das Haus, wäre die Sache wohl schon abgehakt, sagt eine Frau aus der Nachbarschaft der explodierten Doppelhaushälfte. "Wären hier nicht jeden Tag die ganzen Touristen und Kamerateams, würden wir wahrscheinlich fast gar nicht mehr darüber reden", sagt die Mittfünfzigerin, während sie die Rabatten in ihrem Vorgarten winterfest macht.

dapd

 
erschienen am 21.11.2011
© Copyright dapd Nachrichtenagentur GmbH
 
Kommentare
1
(Anmeldung erforderlich)
  • 21.11.2011
    16:56 Uhr

    Matthias1: Ganz so blütenweiß ist die Weste der Südwestsachsen nun auch wieder nicht. Probleme mit rechtsextremen Gewalttaten gab und gibt es in dieser Gegend auch vor und unabhängig von den drei "Dönermördern" aus der "Zwickauer Terrorzelle". Man denke nur an die Probleme im Kreis Zwickau (genauer in Limbach-Oberfrohna) mit Rechten, die einen Jugendclub anzünden oder mit Schulen, von denen Jugendliche nur deswegen vertrieben werden, weil sie sich in der Freizeit gegen Rechts engagieren (und die Lehrer schauen zu und beklagen die Unruhe, die durch den Kampf gegen Rechts entsteht)! Es ist sicher kein Wunder, dass gerade in diesem Kreis in Südwestsachsen drei Mörder so lange untertauchen konnten. Das Leugnen des Problems dürfte kaum zu dessen Lösung beitragen!

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