Die beste Lösung für eine stabile Rente wäre einer Studie zufolge eine Bürgerversicherung.Foto: Patrick Pleul
Studie: Rentenversicherung auch für Beamte nötig
Gütersloh/Berlin (dpa) - Eine Versicherungspflicht auch für Beamte und Selbstständige wäre einer Studie zufolge die beste Möglichkeit, die Renten zu sichern.
Würden auch diese Berufsgruppen in die gesetzliche Rentenversicherung einzahlen, könnten ein sinkendes Rentenniveau und steigende Beitragssätze verhindert werden. Das ergibt sich aus einer Studie der Ruhr-Universität Bochum im Auftrag der Bertelsmann Stiftung, die am Montag veröffentlicht wurde. Während das Bundesarbeitsministerium wenig von einer solchen Bürgerversicherung hält, kündigte die SPD-Bundestagsfraktion dazu einen eigenen Antrag an.
Wenn die geburtenstarken Jahrgänge 1955 bis 1970 in Rente gehen, wird das Niveau der Renten in Deutschland sinken und der Beitragssatz steigen müssen, sagt die Simulationsrechnung der Studie voraus. Die bisherigen Rentenreformen reichten selbst bei höherer Arbeitsproduktivität durch technischen Fortschritt nicht aus, um das Rentensystem zu stabilisieren.
Größte Herausforderung für die Rentenkasse ist der demografische Wandel: Der Anteil der über 65-Jährigen an der Bevölkerung werde sich von heute 30 Prozent bis 2060 auf 63 Prozent verdoppeln. Der Beitragssatz müsste folglich von heute knapp 19 Prozent auf 27,2 Prozent steigen, um 2060 ein Rentenniveau von 41,2 Prozent zu erreichen (derzeit rund 50 Prozent).
Mit den Selbstständigen und Beamten in der gesetzlichen Rentenversicherung könnte die Entwicklung aufgefangen werden. 2060 würde den Berechnungen zufolge dann ein Beitragssatz von 24,7 Prozent für ein 50,8-prozentiges Rentenniveau reichen. Andere Maßnahmen wie eine längere Lebensarbeitszeit, mehr Frauen und ältere Menschen im Erwerbsleben sowie bessere Bildung hätten dagegen vergleichsweise geringe Effekte. Darum sei ein ganzes Bündel empfehlenswert.
«Wenn die gesetzliche Rentenversicherung trotz der älter werdenden und schrumpfenden Bevölkerung finanzierbar und leistungsfähig bleiben soll, wird das sicherlich nicht ohne steigende Beiträge gehen», sagte der Projektleiter der Stiftung, Eric Thode. «Wir haben es aber in der Hand, woher die Beiträge kommen.»
Ein Sprecher des Bundesarbeitsministerium warnte, eine Ausweitung der Versicherungspflicht führe «zu horrenden Mehrfachbelastungen einzelner Gruppen, die nur extrem schwierig zu stemmen wären». Zudem schaffe eine Einbeziehung von Beamten und Selbstständigen neue Ansprüche. «Am langen Ende kostet es richtig viel Geld.»
Aus Sicht der SPD-Bundestagsfraktion entspricht ein Rentensystem für alle hingegen der modernen Arbeitsgesellschaft. Zunächst müssten aber Selbstständige in den Blick genommen werden, die überhaupt keine Pflichtversicherung für das Alter haben, erklärte die sozialpolitische Sprecherin, Anette Kramme. Manche Selbstständige sind über berufsständische Versorgungswerke abgesichert.
08:25 Uhr
dreiermama: Heute kann man lesen, dass unser Minister Unland die Umsetzung des Tarifabschlusses auf die Beamten verzögern möchte, denn dass kann sich unser Freistaat nicht leisten. Aber dass sich die Abgeordneten jedes Jahr klammheimlich ihre Diäten erhöhen, dass ist iO? Die profitieren von einem Diätenmodell, dass sie selbst beschlossen haben und seit 2010 gab es 3!!! Erhöhungen von insg. 600 ? monatlich. Aber den Landesbeamten streichen wir Urlaubs/Weihnachtsgeld, denken über eine Erhöhung der Wochenarbeitszeit auf 42h nach usw. Bei der ganzen Debatte sollte auch mal überlegt werden, was Beamte leisten. Sicherlich keine an Produktionszahlen messbare Arbeitsleistungen, aber eine Arbeit, die das Bestehen des Staates absichert. Wir sollten uns nicht gegenseitig in die Pfanne hauen, sondern bei den nächsten Wahlen den Politikern ans Bein pinkeln!
16:30 Uhr
Jothade: @BS: Beamte sind eine Berufsgruppe, die es wohl irgendwann nicht mehr geben wird, obwohl deren Aufgaben in einem "besoneren Dienst- und Treueverhältnis" wahrscheinlich weiter existieren werden.
Nachdem der "alte Fritz" diese Gruppe geschaffen hat, um den Schutz und Bestand des Staates immer gewährleisten zu können wird es wohl irgendwann dann Polizei-Streiks geben, denn diese sind nicht mehr an ein Streikverbot gebunden. Und die Soldaten stehen nicht mehr der Verteidigung zur Verfügung, da sie gerade neue Tarifbedingungen mit der Bundeswehrleitung ausfechten.
Und Richter und Staatsanwälte machen dann keine Überstunden mehr, weil der Staat als Arbeitgeber grade die dann fälligen Überstunden-Zuschläge im Tarif abgelehnt hat.
Ach ja: Von der Polizei ist nachts keiner auf der Straße, weil mit der nächsten Einsparung der tariflichen Nachtzuschläge sich keiner freiwillig dafür her gibt - wozu denn auch: Wenn man sich für seinen "Dienstherren" beim Einsatz die Knochen bricht ist dieser ja nicht mehr verpflichtet, für seinen teuren angestellten "Diener" zu sorgen. Er kann ihn ja rauswerfen und von "Stütze" leben lassen....
...Lobby...
Wo soll denn die her kommen???
15:14 Uhr
ez70: Klar. Natürlich hat der normale Beamte eine Lobby! Vor allem in der Regierung in Sachsen! In welcher Traumwelt leben Sie eigentlich?
13:05 Uhr
berndischulzi: Leider ist es aber so, daß das von einem großen Teil von Beamten bestimmt wird und die haben auch ihre Lobby. Und deshalb ändert sich an dem Konstrukt auch nichts, womit wir wieder am Anfang wären.
10:32 Uhr
ez70: Den Ausführungen von Jothade ist zuzustimmen.
So und noch zur Klarstellung: Diese ganzen Neiddebatten sind völliger Blödsinn! Jedem steht (bzw. stand in jungen Jahren) die Möglichkeit offen, diesen Berufsweg einzuschlagen. Voraussetzung dafür ist natürlich ein gutes Abitur und der Wille, eine in den eigenen Rechten stark eingeschränkte Tätigkeit auszuüben. Dass die Altersversorgung der Beamten anders organisiert ist als bei rentenversicherungspflichtigen Arbeitnehmern ist unbestritten. Dies jedoch dem Beamten zum Vorwurf zu machen, ist ein Witz. Der Staat hat es über Jahrzehnte unterlassen, die von ihm selbst erstellten Regularien zur Bildung von Pensionsrücklagen einzuhalten. Und wer das nicht glauben will, sollte sich erst einmal kundig machen, ehe wieder Stammtischparolen verbreitet werden.