Ein Gutachten überführt die mutmaßliche NSU-Terroristin Beate Zschäpe offenbar zweifelsfrei als Brandstifterin der konspirativen Wohnung in Zwickau.Foto: dapd
Terrorzelle NSU: Zschäpe laut Bericht als Brandstifterin überführt
"Focus": Rückstände von Benzin in Socken und Wohnung entdeckt
Zwickau. Die Beweise gegen die rechtsextreme Zwickauer Terrorzelle verdichten sich. Die Ermittler haben laut "Spiegel" Unterlagen zu 64 Mietwagen sichergestellt, mit 17 davon waren die Neonazi-Terroristen offenbar zu Straftaten unterwegs. Ein Gutachten überführt die Hauptverdächtige Beate Zschäpe "Focus" zufolge als Brandstifterin der konspirativen Wohnung in Zwickau. Generalbundesanwalt Harald Range sagte am Wochenende, von den mehr als 5.000 sichergestellten Beweisstücken seien nun rund ein Viertel ausgewertet.
Der Präsident des Bundeskriminalamtes (BKA), Jörg Ziercke, forderte mehr Ermittler für den Fall. Die zurzeit 370 Beamten sollen nach seinem Willen um 50 Kollegen von der Bundespolizei und aus den Ländern aufgestockt werden.
Die Bundesanwaltschaft macht die im November 2011 aufgeflogene Terrorzelle Nationalsozialistischer Untergrund (NSU) für neun Morde an Kleinunternehmern ausländischer Herkunft sowie für den Mord an einer Polizistin verantwortlich.
Fahrzeuganmietungen im zeitlichen Zusammenhang zu Taten
Von den insgesamt 64 bekannten Fahrzeuganmietungen der Neonazi-Zelle stehen laut "Spiegel" 17 im zeitlichem Zusammenhang zu Taten, die der Terrorgruppe angelastet werden. Es gehe um neun Raubüberfälle, zwei Sprengstoffanschläge und sechs Morde. Gemietet wurden die Autos und Wohnmobile den Angaben zufolge jeweils kurz vor den Taten unter dem Namen "Holger G.".
Unterdessen belegt ein Gutachten des sächsischen Landeskriminalamtes (LKA) offenbar, dass Zschäpe die konspirative Wohnung in Zwickau ansteckte. In den sichergestellten Socken der mutmaßlichen Terroristin seien Benzinrückstände gefunden worden, berichtete der "Focus". In den Resten der niedergebrannten und explodierten Wohnung waren ebenfalls Spuren des Kraftstoffs gefunden worden.
Die Wohnung der Terrororganisation Nationalsozialistischer Untergrund (NSU) war am 4. November 2011 durch einen Brand zerstört worden. Vier Tage später, am 8. November 2011, stellte sich Zschäpe der Polizei. Sie sitzt seitdem in Untersuchungshaft und äußert sich nicht zu den Vorwürfen.
Range verspricht Zusammenarbeit mit Ausschüssen
Zur Aufklärung möglicher Versäumnisse bei den Ermittlungen gegen die Terrorgruppe, versprach Generalbundesanwalt Range, eng und vertrauensvoll mit den Untersuchungsausschüssen im Bundestag und im Thüringer Landtag zusammenzuarbeiten. Der Sachverhalt werde von den Ausschüssen politisch und organisatorisch bewertet, während seine Behörde die strafrechtliche Bewertung vorzunehmen habe.
Das Nachrichtenmagazin "Focus" berichtete, dass Range zudem eine interne Sonderermittlerin eingesetzt habe. Die frühere BGH-Richterin Ruth Rissing-van Saan soll demnach die Ermittlungsarbeit der Bundesanwälte in den vergangenen Jahren im rechtsradikalen Milieu überprüfen. Das Magazin berief sich dabei auf Berliner Justizkreise. Geprüft werden solle insbesondere, ob es Ansätze für eine weitaus frühere Ermittlung gegeben hätte.
Der Bundestag und der Thüringer Landtag wollen die Vorgänge und mögliches Versagen der Sicherheitsbehörden untersuchen. Eine Bund-Länder-Expertenkommission soll die Aufklärungsarbeit unterstützen. (dapd)