Menü
 
Roland Jahn - Bundesbeauftragter für die Stasi- Unterlagen

Foto: Paul Zinken/dpa

Unterlagenbehörde wird ad acta gelegt

Eine Expertenkommission empfiehlt, die Stasi-Akten dem Bundesarchiv anzugliedern. Die Unterlagenbehörde in ihrer heutigen Form wäre damit Geschichte.

Von Alessandro Peduto
erschienen am 18.03.2016

Berlin. Die 1990 gegründete Stasi-Unterlagen-Behörde soll nach Ansicht einer Expertenkommission in der jetzigen Struktur aufgelöst werden. Die Akten des einstigen DDR-Ministeriums für Staatssicherheit (MfS) sollen in das Bundesarchiv überführt sowie eine Stiftung "Diktatur und Widerstand. Forum für Demokratie und Menschenrechte" gegründet werden, heißt es in den Empfehlungen der Fachkommission, die der Bundestag einberufen hatte.

Überdies soll ein vom Parlament gewählter "Bundesbeauftragter für die Auseinandersetzung mit der SED-Diktatur und ihren Folgen" berufen werden. Seine Aufgabe soll es sein, Bundestag, -regierung und -behörden zu beraten und als Ombudsmann für SED-Opfer zu fungieren. Zudem soll er das Stasi-Unterlagenarchiv beraten. Dieses soll laut den Empfehlungen "unter eigenem Namen und mit sichtbarer Eigenständigkeit unter dem Dach des Bundesarchivs" fortgeführt werden. Die Papiere des MfS würden in der früheren Stasi-Zentrale an der Berliner Normannenstraße verbleiben. Die Akten in den zwölf ostdeutschen Außenstellen der Behörde sollten an einem Ort pro Bundesland zusammengefasst werden. Die Umstrukturierung soll in den nächsten fünf bis sieben Jahren abgeschlossen sein.

Der derzeitige Bundesbeauftragte für die Stasi-Unterlagen, Roland Jahn, sagte der "Freien Presse", er begrüße, dass das Archiv auf Dauer gesichert werden solle. Damit werde klar signalisiert, dass die Aktensammlung "als ein Symbol der Friedlichen Revolution weiter in der Gedenklandschaft Deutschlands verankert ist". Insofern sei es wichtig, dass die Unterlagen in den Ost-Bundesländern verbleiben sollen.

Der Kulturpolitiker der Union im Bundestag, Marco Wanderwitz, nannte die Empfehlungen "eine gute Grundlage für die parlamentarische Arbeit". Der Kommissionsbericht solle am 11. April an Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) übergeben werden. (mit dpa)

 
© Copyright Chemnitzer Verlag und Druck GmbH & Co. KG
 
6
Lesen Sie auch:
 
Kommentare
6
Kommentieren (für Digital- und Printabonnenten)
  • 18.03.2016
    23:41 Uhr

    Bewi: In den 70er Jahren wurde auch im BBC-deutscher Dienst verkündet, daß die Archive der Briten 50 Jahre nach Kriegsende (1995) geöffnet würden. Darauf warte ich noch heute. Wie kriegen doch eh nur zu sehen, was diverse Vordenker meinen, uns zeigen zu dürfen. Der Glaube an irgendwelche Aufarbeitung ist meiner Meinung nach vergebens.

    1 0
     
  • 18.03.2016
    11:58 Uhr

    Blackadder: Auf MDR Info kam dazu gestern ein Interview mit Herrn Jahn, der erklärte, es sei noch gar nicht genau entschieden, was nun passiere, da dies der Bundestag tun müsse. Ich würde also empfehlen, erstmal abzuwarten.

    0 0
     
  • 18.03.2016
    11:40 Uhr

    Suedbahnhof: Ich finde die Entscheidung _nicht_ gut, die Akten werden dadurch ihrem Bezugsort entzogen. Das Kapitel wird damit in einer Art schleichender Schlussstrichaktion von der Bildfläche genommen.

    Die Stasisakten sind ein Kapitel der DDR und deren territorialer Gliederung, also deren Bezirke. Eine beliebige Zuordnung zu den neuen Ländern wird dazu führen, das spätere Generationen die Anschauung verlieren.

    Meine Kinder fragten mal "Warst du früher eigentlich für den Hitler in der DDR?" naja, es ist scheinbar schon zu spät, die lernen sehr genau, mit welchen Krummäxten die alten Schweden hantierten, aber die letzten 50 Jahre sind nicht relevant im Geschichtsunterricht.

    1 0
     
  • 18.03.2016
    11:04 Uhr

    744909: @aussaugerges: Für Leute, die mit der DDR Probleme hatten ist das sicher keine Erleichterung; eher für bis jetzt unentdeckte Täter. Der politische Umgang mit den Akten wird sich auch nicht ändern, wenn die Akten ins Bundesarchiv wandern.

    Außerdem verschwinden die Akten ja nicht in der Versenkung, vielleicht sollten Sie wie von Blackadder empfohlen, wirklich mal nachlesen.

    Was wollen Sie nun eigentlich: Aufarbeitung der DDR und der NS-Zeit oder erleichterungen für die Seele, also genau das was in den 50ern in der BRD gelaufen ist. Sie müssten sich schon entscheiden.

    1 1
     
  • 18.03.2016
    08:37 Uhr

    Blackadder: Sie haben den Text mal wieder nicht gelesen oder nicht verstanden.

    0 1
     

 
 
 
 
 
 
am meisten ...
 
 
Adventstermine im Überblick
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Die Blaue Börse jetzt neu!

Schalten Sie Ihre Anzeige noch auffälliger - mit Farbfoto oder mit größerer Überschrift! Ihre Anzeige erscheint mittwochs in der Freien Presse und gratis dazu 7 Tage im Internet.

► Zeitungsanzeige inserieren
► Online Only Anzeige inserieren

 
 
 
 
 
|||||
mmmmm