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Westerwelle gehörte seit den 80er Jahren zu den prägenden Figuren der bundesdeutschen Politik.

Foto: Friso Gentsch/Archiv Bild 1 / 9

Westerwelle verliert Kampf gegen Blutkrebs

erschienen am 18.03.2016

Berlin (dpa) - Der ehemalige Außenminister Guido Westerwelle hat seinen Kampf gegen den Krebs doch noch verloren. Der frühere FDP-Vorsitzende starb in Köln im Alter von 54 Jahren an den Folgen von Leukämie.

Die Nachricht löste in Deutschland, aber auch im Ausland Bestürzung aus. Westerwelle gehörte über eine ganze Generation hinweg zu den prägenden Figuren der bundesdeutschen Politik.

Die Todesnachricht kam für die meisten überraschend. Westerwelle hatte ein Jahr nach der Krebs-Diagnose im vergangenen Herbst ein Buch veröffentlicht und sich erstmals auch wieder in der Öffentlichkeit gezeigt. Damals gab es große Hoffnung, dass er die Erkrankung überwunden hatte. Nach Problemen mit einigen Medikamenten lag er zuletzt aber wieder seit mehr als drei Monaten in der Uni-Klinik Köln, wo er nun auch starb.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) äußerte sich am Rande des EU-Flüchtlingsgipfels in Brüssel bestürzt über den Tod ihres politischen Weggefährten. «Sein Tod erschüttert mich tief.» Sie habe Westerwelle als «empfindsamen und als nachdenklichen Menschen erlebt». «Einen verlässlichen und einen treuen Menschen.» Bundespräsident Joachim Gauck würdigte den FDP-Politiker als «leidenschaftlichen Demokraten und Europäer». 

Bei Westerwelle war im Juni 2014 - nur ein halbes Jahr nach seinem Ausscheiden aus dem Auswärtigen Amt - eine besonders schlimme Form von Blutkrebs diagnostiziert worden. Aus der Politik hatte er sich daraufhin fast völlig zurückgezogen.

Westerwelle war über viele Jahre hinweg wichtigste Figur der FDP. Mitglied wurde er bereits 1980. Dann war er Vorsitzender der Nachwuchsorganisation Julis, Generalsekretär und schließlich Parteichef. Nach vielen Jahren in der Opposition brachte er die FDP 2009 zurück an die Regierung. Merkel machte ihn zu ihrem Vizekanzler und Außenminister. Nach vier Jahren schwarz-gelber Koalition schafften es Westerwelle und die FDP dann aber nicht einmal mehr in den Bundestag.

Die Todesnachricht wurde durch die Stiftung bekannt, die Westerwelle Ende 2014 gegründet hatte. Auf deren Homepage war ein Foto zusammen mit seinem Ehemann Michael Mronz zu sehen. Daneben stand: «Wir haben gekämpft. Wir hatten das Ziel vor Augen. Wir sind dankbar für eine unglaublich tolle gemeinsame Zeit. Die Liebe bleibt.» Westerwelle und der Sportmanager waren seit September 2010 verheiratet.

Der ehemalige Bundesaußenminister Hans-Dietrich Genscher (FDP) äußerte sich ebenfalls «tief erschüttert». Der 88-Jährige erklärte: «Er war eine große politische Begabung und ein herzensguter Mensch.» Frank-Walter Steinmeier (SPD) bezeichnete seinen Amtsvorgänger als Gesicht eines «weltoffenen, liberalen Deutschlands, das in der internationalen Gemeinschaft fest verankert ist». Im Auswärtigen Amt wurden die Fahnen auf halbmast gesetzt.

Der heutige FDP-Chef Christian Lindner sagte: «Guido Westerwelle wird uns allen und sicherlich auch den Debatten in unserem Land sehr fehlen.» Auch alle anderen Bundestags-Parteien würdigten seine Verdienste, über allen politischen Streit hinweg. Auch aus dem Ausland gingen Trauerbotschaften ein. Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu sagte: «Er war ein Staatsmann.»

Westerwelle hatte sich vor knapp zwei Jahren beim Joggen am Meniskus verletzt. Bei den Vorbereitungen für eine Operation wurde dann völlig überraschend eine sogenannte akute myeloische Leukämie festgestellt, eine besonders schlimme Form von Blutkrebs. Der FDP-Politiker musste sofort eine Chemotherapie beginnen und bekam dann auch Knochenmark-Stammzellen transplantiert.

Die neue stationäre Behandlung wurde mit Abstoßreaktionen des Körpers auf bestimmte Medikamente in Folge der Knochenmark-Transplantation begründet. Genauere Auskunft über seinen Gesundheitszustand gab es zuletzt keine mehr. Die letzten drei Monate verbrachte Westerwelle dann wieder in der Uniklinik Köln, wo er nun auch starb. Nach Angaben der Westerwelle-Stiftung gibt es noch keinen Termin für eine Beerdigung.

Westerwelle Foundation

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Mitteilung der Westerwelle Foundation

 
© Copyright dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH
 
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Kommentare
7
Kommentieren (für Digital- und Printabonnenten)
  • 18.03.2016
    22:50 Uhr

    Freigeist14: Sehr tragisch,den Kampf gegen den Krebs verloren zu haben.
    Wenn man heute Westerwelle seine Stimmenenthaltung zu Libyen kritisch sieht und damit gar eine wankelmütige Haltung zum westlichen Militärbündnis unterstellt,kann man das als großartige Leistung von ihm würdigen.

    0 1
     
  • 18.03.2016
    21:12 Uhr

    ommi22:  Mein aufrichtiges Beileid den Angehörigen.
    Ich wünschte Sie hätten den Kampf gegen diese Krankheit gewonnen , Herr G.Westerwelle.

    0 2
     
  • 18.03.2016
    18:56 Uhr

    1953866: Hier kann ich allen bisherigen Kommentaren uneingeschränkt zustimmen! Das gilt ausdrücklich auch für Blackadder & Schinderhannes.
    Mein aufrichtiges Beileid den Angehörigen.

    0 4
     
  • 18.03.2016
    18:31 Uhr

    pcomment: Ein Bequemer war er im politischen Betrieb sicher nicht. Manchmal laut, zuweilen vielleicht manchem zu laut. Aber mit Sicherheit einer der prägenden Köpfe in der deutschen Politik der letzten 20 Jahre.
    Auch wenn ich politisch nicht häufig seiner Meinung war, muss ich diesem Menschen Respekt zollen. Besonders tue ich dies für die ruhige, fast heimliche Art, mit der er ein Stück Normalität in das Thema homosexuelle Beziehungen gebracht hat. Er hat damit gezeigt, dass es sich eben um ganz normale Menschen handelt, die nicht schrillen, bunten Stereotypen entsprechen müssen.
    Ich hätte ihm gewünscht, dass er diesen Kampf gegen die Krankheit gewinnt.
    Mein Mitgefühl gilt seinem Partner und Familie.

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  • 18.03.2016
    17:38 Uhr

    Deluxe: Mein Beileid den Angehörigen und meinen Respekt vor seiner Lebensleistung.
    Aber ob es in der politik wirklich "Typen wie ihn" braucht, darüber läßt sich streiten.

    Leute, die das Leben an der sozialen Basis nie kennengelernt haben, gibt es in der Politik nämlich mehr als genug.

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