Kultur
Vom Puppentheater direkt in den Kinosessel
Atif Hussein bringt in Zwickau mit dem Stück "Ein Familienkochbuch" kleine Puppen groß heraus
Zwickau. Seit Anfang August bringt Atif Hussein, Chefregisseur des Puppentheaters am Theater Plauen-Zwickau, frischen Wind in das Haus. Nachdem er bereits im Oktober unter dem Titel "Bis Denver" mit seiner Mischung aus Schau- und Puppenspiel überzeugte, knüpft er mit der aktuellen Inszenierung "Ein Familienkochbuch" nahtlos an diesen Erfolg an. Das Stück des Briten Mike Kenny erlebte am Mittwoch seine Premiere, und Atif Hussein war Regisseur, Kostümbildner, Bühnen- und Puppenbauer in Personalunion.
Es muss deshalb auch nicht verwundern, dass sich die Inszenierung für Kinder ab sieben Jahren wie aus einem Guss präsentierte. Weil er für das Stück gern auf Puppen zurückgreifen wollte, die die Jüngsten aus ihren Zimmern kennen, wagte der Berliner einen Kunstgriff, der beim Zwickauer Premierenpublikum sehr gut ankam. Kein Wunder, können die jungen Besucher doch ohne viel Fantasie den Eindruck gewinnen, sie säßen in einem Kino, also einem Raum, der gemeinhin den großen Menschen vorbehalten ist. Die beiden Puppenspieler Martha Rudolf und Bernd Häusler agieren in der Hauptsache auf einer flachen Ebene, von der ihr Spiel mittels einer Videokamera auf die darüber befindliche Leinwand übertragen wird.
Die Geschichte von "Ein Familienkochbuch" ist schnell erzählt: Gernot und Dolores sind Geschwister, allerdings keine natürlichen, sondern gezwungenermaßen, nachdem sich ihre Eltern neuen Partnern zuwendeten. So gibt sich Dolores alle Mühe, ihren neuen Bruder zu vergraulen, der wiederum mit kulinarischen Genüssen bei Frühstück und Pausenbrot die Freundschaft seiner neuen Schwester gewinnen will. Die beiden finden erst zusammen, als sie das Haus der Eltern, das zumindest für Dolores zu einer Hölle geworden ist, fluchtartig verlassen. Die Kamera ist immer mit dabei, und wenn der daran befindliche kleine Suchschweinwerfer die durch den dunklen Wald streifenden Kinder rasend schnell verfolgt, fühlt sich der Zuschauer an den Film "The Blair Witch Project" erinnert, der 1999 einige Bekanntheit erlangte, weil er suggerierte, dass es sich um einen Dokumentarfilm handele, der auf den Aufnahmen von drei in den Wäldern von Maryland vermissten Studenten basiert. Die Idee, das Puppenspiel auf die filmische Ebene zu verlagern, geht so zu 100 Prozent auf.
Bei einer rundherum gelungenen Inszenierungen kann man getrost vergessen, dass der pädagogische Zeigefinger ("Frühstück ist gesund", "Pausenbrot kann abwechslungsreich sein") hin und wieder zum Einsatz kommt.
Service
Nächste Vorstellungen: morgen, 15Uhr in Zwickau, Servicetelefon: 0375/ 274114647. In Plauen hat das Stück am 9.Februar, 10.30 Uhr Premiere, Servicetelefon: 03741/28134847.
Von Christian Wobst
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