Kultur
Ohne Primadonna macht Oper keinen Spaß
Die Finalteilnehmer der Castingshow "Das Supertalent" haben Deutschland bereist - Doch auch in Zwickau fehlte der Sieger: ein Hund
Zwickau. Der Hund war nicht dabei. Millionen deutscher Fernsehzuschauer haben im Herbst vergangenen Jahres beim Privatsender RTL nach dem Supertalent gesucht. Im Dezember setzte sich in der Finalshow ein kleiner Hund namens Primadonna durch. In den vergangenen zwei Wochen tourten die Teilnehmer der alles entscheidenden Sendung nun quer durch das Land ihrer treuen Telefon-Wähler. Die letzte Station der Tour war am Sonntagabend die Zwickauer Stadthalle. Alle waren sie gekommen. Doch der Hund war nicht dabei.
Bühnenscheuer Vierbeiner
Schon vor Konzertbeginn hatte das hartnäckige Gerücht nicht verstummen wollen, dass das größte Talent, dass es in ganz Deutschland unter knapp 40.000 Bewerbern gab und dank der Zuschaueranrufe zu Ruhm und 100.000 Euro Preisgeld gekommen ist, die Tour gar nicht mitmacht. Nach einer knappen halben Stunde wurde es bittere Gewissheit: Primadonna und Dresseur Yvo Antoni kommen nicht. Per Videobotschaft entschuldigte der Kölner seinen vierbeinigen Superstar damit, dass diesen pyrotechnische Knalleffekte einer Fernsehaufzeichnung verschreckt hätten und er deshalb bühnenscheu geworden sei.
Zahlreiche Kinder in der bei weitem nicht ausverkauften Halle ließen daraufhin ihre Mundwinkel nach unten fallen, denn wegen des Hundes hatten sie ihren Eltern schon vor Wochen Eintrittskarten für 50Euro aus dem Kreuz geleiert. Jetzt saßen sie da und durften sich zwei Stunden lang ein Konzert anhören, das sie ganz sicher nicht von den Sitzen riss. Den Anfang machten Richard Istel (zehn Jahre alt) und Carlotta Truman (neun Jahre). Dass die beiden singen können, hat ihnen "Supertalent"-Juror Dieter Bohlen oft genug gesagt. Und dafür hat er mit seinen Kollegen Sylvie van der Vaart (die mit dem Fußballer) und Bruce Darnell ("Drama, Baby") sogar eine Goldene Kamera bekommen. Dennoch bleiben es Kinderstimmen, die da versuchen, große Welthits zu interpretieren.
Und so war es auf der einen Seite erstaunlich zu sehen, wie schnell die zwei Knirpse auf unnervöse Künstler getrimmt werden konnten, andererseits war es aber auch gemein, die kleine Carlotta "If a song could get me you" von Marit Larsen singen zu lassen. Daran sind schon gestandene DSDS-Kandidaten gescheitert. Nach den artigen Danksagungen an "ihre Fans" verschwanden die zwei Kinder, und Moderator Daniel Hartwig (erfrischend lustig) durfte die von ihm so genannte "Diskokugel" ankündigen. Die heißt Oliver Roemer, ist so breit wie hoch, ein sehr liebenswerter Mann. Am Sonntag durfte er sich mit einem Glitzeroberteil so richtig zum Obst machen. Dass er mit einer enorm hohen Stimme gut singen kann, interessiert nicht wirklich. Er sieht einfach nur komisch aus. "Danke, ohne Euch wäre ich nicht hier", sagte er noch und ging.
Die Kinder werden sauer
Jetzt gaben sich die blinde Fabienne Bender (Pop-Schlager), Opernsängerin Karin Andreev (im Schlabber-Look), Panflöten-Spielerin Petruta Küpper und Opernsängerin Nummer 2, Vanessa Calcagno, das Mikrofon in die Hand, die Kinder im Publikum wurden langsam sauer. Erst kein Hund und jetzt auch noch Klassik. Da half auch der Auftritt von Hannes Schwarz mit seiner beeindruckenden Feuershow nicht viel.
Dass Fensterputzer und Dschungelcamp-Bewohner-Sohn Davy Kaufmann richtig guten Swing auf die Bühne gebracht hat, war den zahlreichen kleinen Besuchern ebenfalls egal. Das "Supertalent" ist sicherlich kein Kaspertheater, aber wenn ein hüpfender Hund gewinnt, dann schmelzen vor allem Kinderherzen dahin. Die durften statt des süßen Vierbeiners zwei Stunden lang eine riesige Bühne anstarren, auf der ab und zu ein einzelner Mensch Lieder sang und sich zigmal bedankte. Bitte sehr. Jetzt ist es aber auch wieder gut. Oder können Sie sich an den Namen Ricardo Marinello erinnern? Der ist Deutschlands erstes Supertalent. Aus dem Jahr 2007.
Von Thomas Reibetanz
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